Matthias Kühn auf Mallorca: Aufstieg, Fall und Comeback eines Immobilien-Pioniers

Um den einst so prominenten Immobilienunternehmer war es still geworden. Jetzt ist er wieder zurück

Matthias Kühn 2010 in seiner Unternehmenszentrale im Pueblo Español in Palma.

Matthias Kühn 2010 in seiner Unternehmenszentrale im Pueblo Español in Palma. / Sebastián Terrassa

Matthias Kühn steht wie kein Zweiter für die Geburtsstunde des Zweitimmobilienmarkts auf Mallorca. Der „Hamburger Jung“ verhalf mit seiner Unternehmensgruppe Kühn & Partner zahlreichen wohlhabenden Mallorca-Fans aus dem deutschsprachigen Raum zu einer Insel-Villa, als das noch keineswegs an der Tagesordnung war.

Nach etlichen erfolgreichen Jahren, in denen er sich auch gerne im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit sonnte, verzockte er sich als Bauträger und musste schließlich mit seiner Firmengruppe Insolvenz anmelden. Kühn zog sich zurück, es wurde still um ihn. Jetzt ist er dank eines Urteils des Obersten Gerichtshofs in Madrid, das seiner Firma Birdie Son Vida 96 Millionen Euro beschert, wieder da.

Was Kühn mit den Millionen, die ihm nach der Auszahlung der Gläubiger (rund 4 Millionen Euro) und der Begleichung der anfallenden Steuern – Experten aus der Branche rechnen mit fast der Hälfte der Summe – anstellen will, steht laut seinem Anwalt Jorge Sainz de Baranda noch nicht fest. Sein Sohn Nico führt die Immobilientradition inzwischen in deutlich kleineren Dimensionen weiter.

1987 mit einem Laptop angekommen

Mit wenig mehr als einem Laptop war Kühn 1987 auf der Insel aufgeschlagen. Mallorca kannte er, seine Großeltern mütterlicherseits hatten in Cala Estància bei Palma bereits 1960 ein Haus gekauft. Dementsprechend häufig verbrachte Matthias Kühn als Kind seine Ferien auf Mallorca. Geld war da, sein Vater war mittelständischer Unternehmer, seine Mutter stammte ebenfalls aus einer Unternehmerfamilie.

In seinem Hamburger Tennisclub hatte der junge Kühn gehört, dass die ersten Reichen auf Mallorca Häuser kauften. An der Elbe wollte der studierte Diplomkaufmann ohnehin nicht bleiben. Im dunkelblauen Anzug um die Außenalster herumzurennen, wäre ihm zu langweilig geworden, sagte er vor über 20 Jahren einmal der MZ. 

Das Geschäft wächst und wächst

Und Kühn hatte ganz offensichtlich den richtigen Riecher. Bereits zur Jahrtausendwende hatte es der Hamburger zum größten Immobilienunternehmer der Insel gebracht. Bis zu 21 Filialen mit mehr als 130 Mitarbeitern gehörten damals zu der aus dem Museumsdorf Pueblo Español gesteuerten Gruppe.

Die Umsatzzahlen von "Kühn & Partner" stiegen regelmäßig zwischen 25 und 40 Prozent pro Jahr an. Selbst von seinen Konkurrenten wird Kühn auch heute nochals Visionär gesehen. Lutz Minkner sagt der MZ beispielsweise: „Matthias Kühn hat für uns alle den Weg bereitet, er hat die Insel marktreif gemacht.“

Damit meint Minkner wohl auch, wie Matthias Kühn für die Insel zu werben wusste. Dazu gehörte, bereits 1996, die Gründung des deutschprachigen Inselradios. Und dazu gehörte die Nähe zu der aus Presse und TV bekannten Glitzerwelt der Schönen und Reichen.

Als Gastgeber etwa auf der Privatinsel Tagomago vor Ibiza von Schauspielern und Wirtschaftsbossen, Tennis- und Fußballstars oder Moderatoren wurde Kühn selbst zum Promi. Dass er Ende der Tausender-Jahre eine Beziehung mit der spanischen Schauspielerin und Moderatorin Norma Duval begann, sollte ihm schließlich auch Zugang zur Madrider Prominenz verschaffen.

Der hochgewachsene, gelegentlich zu legendären Wutausbrüchen neigende Hamburger suchte dabei auch Anschluss an die Inselgesellschaft, etwa indem er sich 2005 in den Fußballclub Atlético Baleares (heute im Besitz des deutschen Unternehmers Ingo Volckmann) einkaufte und dort vier Jahre lang als Hauptsponsor und Vizepräsident aktiv war. Zugleich galt Kühn manchen Mallorquinern, besonders aus dem grün-linken Meinungsspektrum, als Inbegriff des "hässlichen" Deutschen, der die Insel aufkauft und zubaut. Die Punkband Rock & Press widmete ihm einst sogar ein eigenes Lied.

Expansion ins Bauträger-Geschäft

In den Tausender-Jahren expandierte Kühn & Partner mit millionenschweren Krediten der damaligen Balearen-Sparkasse Sa Nostra dann auch in das Bauträger-Geschäft. Zu den realisierten Projekten gehören Villen-Ensembles in Port d'Andratx und Betlem (Gemeinde Artà). Andere Vorhaben, darunter der Bau eines Golfplatzes bei Es Capdellà, vor allem aber die Siedlung Muleta II bei Sóller, scheiterten am Widerstand der Behörden.

Als dann auch noch die Finanzkrise 2008/2009 hinzukam, geriet das immer unübersichtlichere Firmengeflecht mit zwischenzeitlich über 30 Firmen zusehends in Schwierigkeiten und riss wohl auch die dann mit anderen Kreditinstituten fusionierte Sa Nostra mit in den Abgrund.

Eine Firma nach der anderen musste Insolvenz anmelden

Mitte der Zehner-Jahre war Schluss: Eine nach der anderen der Firmen von Kühn und Partner musste Insolvenz anmelden, auch das Inselradio wechselte den Besitzer. Vieles von dem, was da genau geschah, ist bis heute unklar. Matthias Kühn zog sich von da an weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und lebt seither mit Norma Duval, die er 2022 heiratete, größtenteils im Schweizer Gstaad.

Sprach man Matthias Kühn in den schwierigeren Jahren auf seine wirtschaftliche Lage an, vergaß er nie zu erwähnen, dass ihm die öffentliche Verwaltung noch Millionen schuldete, weil sie ihm einst die Erschließung der Siedlung Muleta II bei Sóller erlaubt, diese Genehmigung aber dann wieder zurückgezogen hatte.

Der überaus komplizierte Rechtsstreit sollte sich über Jahre hinziehen. Seit vergangener Woche liegt eine Entscheidung vor: Die Balearen-Regierung muss die betroffene Firma mit 96 Millionen Euro entschädigen. Der Hamburger Jung sollte recht behalten.

"Endlich habe ich gewonnen"

Laut einem Bericht der "Bild" erfuhr Kühn am Abend des 5. März gegen 22 Uhr von dem Urteil. Der Zeitung sagte er: "Endlich habe ich gewonnen. Dieser gigantische und nervenzehrende Kampf ist vorbei. Ich habe die tolle Nachricht sofort mit meinen Kindern und meiner Frau geteilt."

Eine Rückkehr nach Mallorca schloss er zunächst erwartungsgemäß aus. Man könne sich nun in Ruhe überlegen, wie man die Gelder anlege, sagte Kühn. "Das Projekt in Port de Sóller verfolge ich nicht mehr. Es ist an eine andere Gesellschaft verkauft worden, immer noch als Naturschutzgebiet deklariert und praktisch nichts mehr wert. Ein Matthias-Kühn-Comeback ist bislang nicht geplant.“

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