An Heiligabend auf Mallorca vermisster Musiker: Ein Escape-Room-Spiel artete aus

Alles deutete darauf hin, als wolle der Mann nicht gefunden werden und sich das Leben nehmen wollen. Das war allerdings überhaupt nicht der Fall

Die Band Roldán in einem Videoclip.

Die Band Roldán in einem Videoclip. / Youtube

Ralf Petzold

Ralf Petzold

"Ich habe Mist gebaut": Mit diesen Worten beginnt ein langer öffentlicher Entschuldigungsbrief von Miquel Roldán. Der Musiker und Sänger der gleichnamigen Gruppe Roldán war an Heiligabend auf Mallorca verschollen. Freunde und Familie bangten um den Sänger und wähnten ihn tot. Wie sich herausstellte, hatte sich der 34-Jährige ein Spiel in Form eines Escape Rooms ausgedacht, welches komplett aus dem Ruder lief.

"Zwischen dem, was passieren sollte, und was passiert ist, liegen Welten. Ich allein bin dafür verantwortlich", schreibt Roldán. Wie er erklärt, stürzte er Ende 2021 bei der Arbeit an einem neuen Album in ein mentales Tief. Wohl, um zu sehen, wie sehr sein Umfeld ihn vermissen würde, verschwand er von der Bildfläche. "Es sollte eher ein Detektivspiel werden und keine öffentliche Suchaktion voller Angst", so Roldán.

Der verschwundene Musiker wollte gesucht werden

Der Musiker bezeichnet sich selbst als etwas abgedreht und erklärt sein Hobby: Escape Rooms. Dabei handelt es sich um Rätsel, die gelöst werden müssen, um in der Regel aus einem Zimmer oder einem Gebäude zu entkommen, in dem man eingesperrt ist. "Ich habe zwei Escape Rooms bei mir zu Hause aufgebaut."

Vor seinem Verschwinden hinterließ er einen Brief auf dem Tisch. Dieser begann mit den Worten: "Das hier ist kein adiós". In dem Brief beschrieb er, dass er mit der Musik abgeschlossen hätte. Es klang wie eine Abschiedsbotschaft, sollte aber der erste Hinweis für die Suche sein. "Meine Freunde hätten die Nachricht verstanden. Blöderweise haben aber nur meine Eltern und mein Bruder den Brief gelesen", erklärt Roldán.

Der Musiker nistete sich in einem Haus außerhalb von Manacor ein und schottete sich komplett von der Außenwelt ab. "Am 27. Dezember kam der Besitzer des Hauses zu mir. Er hatte mein Bild in den Medien gesehen." Mit dessen Handy informierte Roldán umgehend seine Eltern, dass es ihm gut geht. "Die Leute haben unterschiedlich darauf reagiert. Manche haben mich mit offenen Armen empfangen, andere sind zutiefst verärgert. Ich habe Verständnis für alle Reaktionen und bitte um Entschuldigung", so Roldán.

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