Eigentlich schien David Peregrina schon viel richtig gemacht zu haben im Jahr 2003. Er war damals 33 Jahre alt und war zum Leiter der Filiale der Sparkasse Caixa Rural in Muro aufgestiegen. Ein normaler Typ mit einem guten Job. Und doch geriet er auf die schiefe Bahn. Denn ab jenem Jahr fing er an, gemeinsam mit einem Komplizen in einem Maklerbüro und zahlreichen Strohleuten, Hypotheken für fiktive Immobilienkäufe zu vergeben. Zwei Millionen Euro erschwindelte er im Laufe der darauffolgenden Monate. Caixa Rural erstattete im Juli 2004 Anzeige.

Es sollte nicht der einzige Betrug des Mallorquiners bleiben, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Ende November 2023 in seinem Restaurant im brasilianischen Porto Seguro von bislang unbekannten Tätern hingerichtet wurde. Es gab keine Anzeichen für einen Raub in dem an einem Fluss gelegenen Lokal. Die Polizei geht davon aus, dass sich jemand rächen wollte. Erst eine Woche vor dem Verbrechen hatten Peregrina und seine Frau einen langwierigen Prozess gewonnen, in dem es um die Nutzung des Grundstücks ging, auf dem sich das Restaurant befindet. Inwieweit der Doppelmord mit diesem Prozess in Zusammenhang steht, ist allerdings nicht klar.

Ein "merkwürdiger Typ"

Gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" erinnern sich Weggefährten von damals, als Peregrina noch ein junger Filialleiter war, an einen "merkwürdigen Typen". Als die Ermittlungen wegen des Betrugs eingeleitet wurden, habe er mehrfach versichert, Opfer eines Komplotts gewesen zu sein. Nie habe er fremdes Geld eingesteckt, erklärte der Bankmitarbeiter, der "Panik" davor gehabt haben soll, ins Gefängnis zu gehen.

Der erschossene Koch David Peregrina und seine ebenfalls ermordete Lebensgefährtin. DM

Wohl auch deshalb entschloss sich Peregrina zur Flucht. Er war damals bereits mit seiner brasilianischen Frau zusammen und ging in ihre Heimat. Zwei Jahre lebte er in Südamerika als Flüchtling vor der spanischen Justiz. Erst 2008 kam er zurück, nachdem er mit den Ermittlern in Kontakt getreten war.

Der bekannte Anwalt Jaime Campaner, der die Sparkasse vertrat, beantragte angesichts einer erneuten Fluchtgefahr die Einweisung in Untersuchungshaft. Der nicht minder bekannte Richter José Castro, der die Ermittlungen leitete, gab dem Antrag statt. Im Jahr 2009 wurde Peregrina aus der U-Haft entlassen.

Die Prozesse

Er trat einen neuen Job an, diesmal als Geschäftsführer des Hafenlokals Ca n'Eduardo in Palma. Auch hier konnte er die Finger nicht vom Geld lassen, klaute insgesamt rund 200.000 Euro. Im März 2012 folgten zwei Prozesse. Zunächst wegen des Hypothekenbetrugs in der Bank, wo Peregrina neben 27 weiteren Personen angeklagt war. Er bekam eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Kurz darauf folgte das Verfahren wegen des gestohlenen Geldes im Restaurant. Es kamen zwei Jahre und sieben Monate Knast obendrauf. Im Jahr 2015 nutzte er einen Freigang für die erneute Flucht nach Brasilien zu seiner Frau und deren Sohn, der heute 21 Jahre als ist und zum Zeitpunkt des Mordes nicht im Haus war. 2016 eröffnete Peregrina das Restaurant, das für seine Paellas bekannt war.

Der mallorquinische Koch David Peregrina und seine Frau. DM

Freundlich und lächelnd

In Südamerika schien er seinem Leben erneut eine Wendung gegeben zu haben. Gegenüber der Zeitung "El País" beschreiben ihn Weggefährten als freundlichen und verbindlichen Mann, der äußerst beliebt bei den Gästen war und lächelnd für Instagram-Bilder posierte. "Mir will nicht in den Kopf, dass er jemals ein Krimineller gewesen sein soll", lässt sich eine Bekannte des ermordeten Kochs zitieren. /pss