Am Donnerstagabend (9.11.) haben sich erneut tausende von Menschen rund um den Hauptsitz der Sozialisten (PSOE) bei der Calle Ferraz in Madrid versammelt, um gegen die geplante Amnestie für katalanische Separatisten zu protestieren. Die Kundgebung begann um 19 Uhr. Am selben Tag hatte Pedro Sánchez eine Einigung mit der katalanischen Regionalpartei Junts erzielt und damit das letzte größere Hindernis für seine erneute Amtseinführung aus dem Weg geräumt.

Bereits den siebten Tag in Folge versammelten sich Demonstranten vor der Parteizentrale, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot, um Zwischenfälle zu verhindern. Während der Kundgebung war eine Sperrung der Straße für den Verkehr erforderlich. Diesmal hatte die Jugendorganisation Revuelta, die mit der rechtspopulistischen Vox in Verbindung steht, zum Protest aufgerufen. Nach offiziellen Angaben sollen rund 8.000 Menschen an dieser Kundgebung teilgenommen haben. Die Menge versammelte sich in der Calle Marqués de Urquijo in Madrid, während die Polizei die Calle Ferraz selbst absperrte.

Die Proteste in Madrid am 9.11. DM

Vox-Chef solidarisierte sich mit Demonstranten

Die Atmosphäre war zunächst weitgehend ruhig und friedlich, mit Rufen wie "viva España" und "arriba España". Aber auch Sprüche wie "Perro Sánchez, traidor", "España no se vende, España se defiende" ("Spanien verkauft man nicht, es verteidigt sich") oder "no es una sede, es un puticlub" ("Das ist kein Parteisitz, sondern ein Bordell") waren in der Menge zu hören. Die Demonstranten, die Fahnen Spaniens (einige mit ausgeschnittenem Wappen) und der Europäischen Union schwenkten, skandierten auch gegen den König, die Monarchie im Allgemeinen, den Innenminister Fernando Grande-Marlaska und sogar gegen die Presse.

Polizeieinsatz bei der Demonstration am 9.11. DM

Nach 20.30 Uhr erschien Vox-Chef Santiago Abascal unter Beifall und Rufen wie "Präsident, Präsident". Inmitten der Menge rief er dazu auf, die Demonstrationen fortzusetzen, "so lange es nötig ist". In Erklärungen vor den Medien auf der Kundgebung betonte er: "Ich bin hier als ein weiterer Spanier, um bei meinen Landsleuten zu sein, sie zu unterstützen, ihnen den Rücken zu stärken, sie wissen zu lassen, dass sie nicht allein sind. Aber ich glaube, dass dies nicht die Zeit für die Parteien ist, sondern die Zeit für das Volk."

Gegen 22 Uhr gerieten die Proteste außer Kontrolle und einige Demonstranten begannen, Feuerwerkskörper, Fackeln und sogar Glas auf Polizisten zu werfen. Es kam zu angespannten Momenten, in denen Menschen an den Zäunen rüttelten oder vermummte Demonstranten eintrafen. Die Polizei musste gegen eine Gruppe gewalttätiger Demonstranten an der Kreuzung Marqués de Urquijo und Ferraz vorgehen. /bro