Der Weg nach Dubai führt über Mallorca. Zumindest für einige der besten Golfspieler der Welt. Mehr als 50 von ihnen nehmen vom 21. bis 24. Oktober an den Mallorca Golf Open teil, einem Turnier der internationalen Profi-Liga PGA European Tour Serie, deren Champion genau einen Monat später beim Finale in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gekürt wird. Das sogenannte „Race to Dubai 2021“ besteht aus insgesamt 42 Turnieren in 23 Ländern, und gilt gemessen an den dort gebotenen Preisgeldern in Gesamthöhe von mehr als 120 Millionen Euro zu den profitabelsten Wettbewerbsreihen im globalen Profi-Sport.

Dass die Insel für die weltweite Golf-Elite einer der Meilensteine auf dem Weg in die Wüste ist, kommt eher unverhofft. Zwar war Mallorca in der Vergangenheit immer wieder Austragungsort eines European-Tour-Events, wie zuletzt 2010 und 2011 bei den „Iberdrola Open“ im Club Pula Golf bei Son Servera. Dennoch sind Austragungstermine im PGA-Tourkalender nur schwer zu bekommen, da meist langfristig vergeben oder aufgrund ihrer hohen Kosten und logistischen Anforderungen für Veranstalter unrentabel.

In diesem Jahr bot sich aber eine Gelegenheit. „Nach dem Komplettausfall der Tour 2020 mussten auch dieses Jahr erneut einige Turniere aufgrund der Corona-Beschränkungen abgesagt werden“, erklärt Edwin Weindorfer, CEO des Sporteventveranstalters Emotion, dem es in diesem Sommer bereits gelang, einige der besten Tennisspieler der Welt wie Novak Djokovic oder Daniil Medvedev bei seinen ATP Mallorca Championships auf der Insel antreten zu lassen. „Erst Ende August hatte der internationale Profi-Golfverband PGA bekannt gegeben, dass die im Oktober vorgesehenen Marokko Golf Open nicht stattfinden würden. Daraufhin bewarben wir uns als Ersatz für den ausgefallenen Austragungstermin. Und bekamen prompt den Zuschlag“, so der MZ-Preisträger Weindorfer. Ausschlaggebend war sicherlich unter anderem, dass Emotion neben internationalen Tennisturnieren seit 2006 auch die PGA „Austrian Golf Open“ in Österreich ausrichtet.

MZ-Preisträger für unternehmerische Leistung 2021: Edwin Weindorfer Michael Wrobel

„Wir haben uns aber vor allem deshalb um den Termin beworben, weil er langfristig nahezu perfekt ist. Im Oktober schlägt die European Tour traditionsgemäß seit Jahren in Spanien ab. Am ersten Wochenende bei den Open de España in Madrid, die Woche darauf im prestigeträchtigen Club von Valderrama. Fast alle Golfprofis, die vor dem großen Finalturnier in Dubai noch Punkte sammeln wollen, sind also dabei. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie danach auch auf Mallorca antreten, ist riesengroß.“

Dennoch stehen Weindorfer und sein Team vor einer echten Herkules-Aufgabe. „Ich glaube kaum, dass es einen anderen Sportveranstalter auf der Welt gibt, der sich zutraut, ein PGA-Turnier innerhalb einer so kurzen Zeit auf die Beine zu stellen.“ Immerhin: Rückendeckung bei seinem Vorhaben bekam er auf der Insel von gleich mehreren Seiten. „Die balearische Landesregierung erklärte sich sofort bereit, das Event zu unterstützen“, sagt Weindorfer. Wohl auch deshalb, weil ein solches Turnier aufgrund der Medienpräsenz – in Europa werden die Mallorca Golf Open unter anderem über den „Sky Sport Channel“, in den USA über den „US Golf Channel“ rund vier Stunden pro Tag übertragen – für den regionalen Golftourismus eine enorme Werbung im In- und Ausland bedeute.

Eine Million Euro Preisgeld

Eine sofortige Zusage gab es auch von Luis Nigorra, Geschäftsführer des Santa Ponsa Golfresorts, der sich bereit erklärte, die einzige seiner beiden öffentlich bespielbaren 18-Loch-Anlagen inmitten der touristischen Golf-Hauptsaison für das Event zur Verfügung zu stellen. „Santa Ponsa I war bereits Ende der 90er-Jahre Schauplatz legendärer PGA-Events und verfügt auch über die notwendigen Spielbahn-Längen“, so Nigorra. Dennoch bedeutet die Ausrichtung des Turniers aufgrund des geringen Zeitraums zur Vorbereitung einen echten Kraftakt für den Club.

Die Mallorca Golf Open sind mit einem Preisgeld von insgesamt einer Million Euro dotiert. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu anderen Turnieren der „Race to Dubai“-Serie eher wenig. Sei wie es sei. „Ohne finanzielle Unterstützung von Sponsoren geht im weltweiten Profi-Sport nichts. Wir sind glücklich, dass wir mit dem Immobilienunternehmen Engel&Völkers, der Melià-Hotelkette, dem Versicherungskonzern Allianz und dem Mietwagen-Anbieter Ok Mobility starke Sponsoren-Partner gefunden haben“, so Weindorfer.

Zuschauen schon ab 20 Euro

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Zuschauer dürfen sich an den vier Turniertagen in Santa Ponça auf ein hochkarätiges Teilnehmerfeld freuen. Insbesondere aus deutscher Sicht. So schlagen neben dem zweimaligen Majors-Gewinner Martin Kaymer (Weltrangliste 45) und seinen Landsmännern Maximilian Kieffer, Marcel Siems, Max Schmitt und Hurley Long auch Top-50-Spieler der PGA-Weltrangliste wie Chris Woods ab.

Um Martin Kaymer bei einem seiner Abschläge in Santa Ponça über die Schulter zu schauen, bedarf es allerdings einer Eintrittskarte. Das Tagesticket – sowohl online als auch am Ticketstand vor Ort erhältlich – kostet 20 Euro, ein Vier-Tage-Abo 68 Euro. Golfspieler, die über einen Club auf der Insel Mitglied im regionalen Golfverband (FBG) sind, zahlen die Hälfte. Zudem gibt es VIP-Tickets zwischen 50 und 250 Euro pro Tag, die neben einem exklusiven Zugang zum Platz auch den Zutritt zu einem eigenen Loungebereich sowie Verköstigungen beinhalten.