Die Dose, die den deutschen Radsport verändern soll, ist schon allgegenwärtig. Im Trainingslager des Teams Bora-hansgrohe auf Mallorca steht der Drink wie selbstverständlich auf den Tischen, der neue Star Primož Roglič dreht draußen im milden spanischen Januar bereits einen Werbespot. Und Teamchef Ralph Denk schaltet sich aus Kalifornien per Video zu. „Ich bin geschäftlich unterwegs“, sagt der Bayer. Was er nicht verrät: Er hockt in den USA mit Vertretern des künftigen Eigentümers Red Bull und des Radherstellers Specialized zusammen.

Bora-hansgrohe hat am Montag (29.1.) verkündet, dass die geplante Übernahme des Rennstalls durch den Getränkegiganten von der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde abgesegnet wurde und somit vollstreckt werden kann. „Jeder im Radsport weiß, wie wichtig die Vorbereitung und Grundlagen für den Erfolg sind. Also gehen wir jetzt auch diesen Schritt mit der nötigen Ruhe an. Die weiteren Details unserer Partnerschaft werden wir im Verlauf der Saison vorstellen“, wird Teamchef Ralph Denk auf der Website des Clubs zitiert.

Endlich finanziell mit der Konkurrenz mithalten

Durch die neue Partnerschaft – Red Bull übernimmt offiziell 51 Prozent – sollen den Radfahrern Flügel wachsen, die zu mehr Siegen bei Rennen sorgen sollen. Die Top-Teams – wie Ineos oder UAE – gehen 2024 mit einem Budget in Höhe von 50 Millionen Euro an den Start, Bora mit der Hälfte. Der Zeitpunkt der Übernahme ist natürlich nicht perfekt. Die Saison ist längst durchgeplant, neue Fahrer dürfen erst ab dem 1. August verpflichtet werden. Offiziell. Nach Informationen der deutschen Presseagentur hat man die Fühler aber längst ausgestreckt. Alleskönner Wout van Aert, der bereits einen persönlichen Sponsoringvertrag mit Red Bull hat, ist ein Kandidat. Und für die großen Landesrundfahrten hat man das belgische Wunderkind Remco Evenepoel im Visier. Der 23 Jahre alte Ex-Weltmeister könnte den elf Jahre älteren Roglič als Galionsfigur der Mannschaft ablösen.

Sieg bei der Mallorca Challenge knapp verpasst

Dass es nur wenige Prozent sind, die zum Erfolg fehlen, zeigte die Leistung der Bora-Fahrer bei der Mallorca Challenge. Der Russe Alexander Wlassow, vor der Roglič-Verpflichtung einer der Kapitäne des Teams, fuhr zwei zweite und einen dritten Platz ein. Es fehlten jeweils die letzten Körner im Schlussspurt.

Am ersten Tag schlug der Brite Simon Carr den 27-jährigen Bora-Radsportler. Bei der zweiten Etappe, einem Rundkurs ab Felanitx, setzte sich der Franzose Paul Magnier durch. Bei der Tramuntana-Runde mit vielen Höhenmetern fehlte Wlassow erneut nur eine Radlänge. Diesmal musste er dem Belgier Lennert Van Eetvelt den Vortritt auf dem Treppchen gewähren. Die Deutschen konnten bei der Tramuntana-Durchquerung am vierten Tag ein wenig jubeln. Marius Mayrhofer vom Schweizer Tudor Pro Cycling Team wurde vor Wlassow Zweiter. Den Sieg holte der Spanier Pelayo Sánchez.

Bei der letzten Etappe nach Palma gab es beinahe ein Unglück, als ein Motorradfahrer der Rennleitung verträumt auf die Straße fuhr und fast einen Unfall mit dem Peloton verursachte. Der Belgier Gerben Thijssen verkraftete den Schock am besten und überquerte die Ziellinie vor dem Vize-Weltmeister von 2017, Alexander Kristoff.