Nach einer Veröffentlichung in der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" hat die Balearen-Regierung am Samstag (25.11.) den Leiter des öffentlichen Unternehmens, das die Telekommunikationstürme auf den Inseln verwaltet, fristlos entlassen. Der 48-Jährige wird beschuldigt, eine Frau in einem Lokal massiv bedrängt zu haben, und muss sich dafür demnächst vor Gericht verantworten. Sowohl die Veröffentlichung als auch die Entlassung erfolgten am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca fordert eine dreijährige Haftstrafe für den Geschäftsführer des vom Wirtschafts- und Finanzministerium abhängigen Unternehmens. Er soll im Mai 2022 versucht haben, in einem Restaurant am Passeig de Mallorca im Zentrum von Palma das Gesicht einer Frau zu küssen und sie mit anderen obszönen Gesten zu bedrängen.

Mutmaßlicher Täter und Opfer kannten sich nicht

Die Frau soll mit einer Gruppe von Familienangehörigen und Freunden Gast in dem Lokal gewesen sein. Der Mann näherte sich dem Opfer, als sie auf einem Hocker saß, packte ihren Kopf und zog sie zu sich, um sie zu küssen, so die Staatsanwaltschaft. Die Frau wehrte sich, doch der Angeklagte ließ nicht locker und leckte ihr mit seiner Zunge über das Gesicht. Als die hinzugerufene Polizei den Mann festnehmen wollte, versuchte er zu fliehen. Als die Beamten ihn einholten, soll er einem Polizisten einen Faustschlag versetzt haben.

Angeklagter unterrichtete an der Uni

Der 48-jährige lehrte damals an der Wirtschaftsfakultät der Universität der Balearen (UIB), die ihn daraufhin fristlos entließ. Die konservative PP-Regierung stellte ihn im vergangenen August mit einem Geschäftsführer-Posten bei dem öffentlichen Telekommunikations-Unternehmen ein. Höhe des Gehalts: 57.000 Euro pro Jahr.

Mehrere Vergehen stehen auf der Liste

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft drohen dem Mann drei Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs, zwei Straftaten der Körperverletzung und des Angriffs auf einen Beamten. Die Ermittlungsrichterin hat die Eröffnung einer mündlichen Verhandlung angeordnet, gegen die kein Rechtsmittel eingelegt werden kann. Darin wird auch eine Kaution in Höhe von 3.857 Euro hinterlegt, um eine eventuelle Zahlung an die beiden Geschädigten zu leisten. Der Fall wird vor einem Strafgericht in Palma verhandelt. /dise