Mallorca Zeitung

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Nur beste Erde: Wie ein Ex-Fußballprofi auf Mallorca ein ökologisches Vorzeigeprojekt umsetzt

Auf einer Finca bei Llucmajor sollen einmal 2.000 Bäume mit essbaren Früchten stehen, so die Idee von Benjamin Kern. Doch dafür muss sich die harte Erde erst einmal in Humus verwandeln

In einer Hand hält Benjamin Kern einen jungen Olivenbaum, den Arm legt er um seine Frau Carina, Baby Nola steckt im Tragetuch. Nele Bendgens

Bei Llucmajor soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt entstehen: Benjamin Kern, ein ehemaliger Fußballprofi aus Baden Württemberg, hat das zehn Hektar große Grundstück vor zwei Jahren erworben, samt einer Baugenehmigung für ein Wohnhaus. Die MZ trifft ihn beim Schneiden von Ästen an, doch weil seine Frau Carina mit der gemeinsamen Tochter Nola zu Besuch kommt, macht er jetzt eine Pause. Das drei Monate alte Baby ist nur an der Spitze des Mützchens zu erkennen, das aus dem Tragetuch ragt.

„Ich fühlte mich mit dem Grundstückskauf auf der Insel extrem privilegiert“, sagt der 40-Jährige, „und suchte deshalb nach Möglichkeiten, das Land sinnvoll zu nutzen.“ Zur Debatte standen Weinberg oder Olivenhain. Doch dann stieß Kern auf einen MZ-Artikel über den Umweltaktivisten Miquel Ramis und sein ProjektBalears Verd, das es sich zur Aufgabe macht, die Insel mit regenerativer Landwirtschaft zu bewirtschaften, eine Mischung aus Permakultur und ökologischem Anbau.

Es dauerte etwas, bis sich die beiden einig wurden, doch Kern begeisterte sich zunehmend für den Plan, mit 2.000 Nutzbäumen ein Projekt auf den Weg zu bringen, das einen aktiven Beitrag gegen die Erwärmung des Klimas leisten soll.

Pflanzzeit November

Die ersten Olivenbäume der Sorten Picual und Arbequina stehen in gerader Linie an der Grundstücksgrenze, sie kamen im vergangenen Winter als Windschutz in die Erde. „Einheimische Bäume müssen auf der Insel in den Wintermonaten gepflanzt werden, dann haben sie genug Zeit, bis zum Sommer stabile Wurzeln zu bilden“, sagt Miquel Ramis (62)

Der Olivenbaum, der jetzt gepflanzt werden wird, soll der Auftakt für einen Waldgarten mit essbaren Früchten sein. Ramis hat nun ebenfalls seine Säge beiseitegelegt, er hält eine Hacke in der Hand und lockert damit die Erde des Aushubs, der schon zuvor angelegt worden ist.

Fincabesitzer Kern holt sich einen Olivenbaum mit Stamm, Krone und Wurzelballen sowie einen Holzstab, der den Jungbaum künftig stützen wird. Dann hält er den Wurzelballen und das Ende des Stabs in den Aushub, Ramis bedeckt beides mit Erde, formt eine Rille für das Gießwasser und deckt gehäckseltes Schnittgut obenauf. Die Biomasse helfe beim Anwachsen, sagt Ramis, kühle im Sommer die heiße Erde und schütze sie im Winter vor Kälte.

Miquel Ramis zeigt auf das Schnittgut des Waldes Nele Bendgens

Die Regeneration des Bodens

Doch es muss gute Erde sein. Um zu zeigen, wie diese aussieht, lassen sich Ramis und Carina Kern (das Baby schläft tief) drei verschiedene Erdproben in die Hände rieseln. „Die helle Erde stammt vor hier, der Boden ist ausgelaugt und staubtrocken, die rote Erde enthält schon mehr Nährstoffe, fruchtbar ist die schwarze Erde“, erklärt Ramis. Den Kompost für den Aushub hätte „Garden Hotels“ geliefert, ein Projektpartner von „Balears Verd“, der seine Speiseabfälle zu Kompost verarbeite.

Langfristig passten aber Transporte nicht ins Konzept der regenerativen Landwirtschaft, die Bodenverbesserung müsste mit Material vom eigenen Hof gelingen. Deshalb planen Ramis und Kern nach und nach das gesamte Grundstück mit gehäckseltem Schnittgut von der eigenen Finca auszulegen. Dazu bieten sich am Waldrand Äste von Bäumen an, die drauf und dran sind, sich auf dem Grundstück auszubreiten. „Man muss dem Wald Einhalt gebieten“, sagt Ramis. Gleichzeitig liefere er kostbare Biomasse.

Während sich die gehäckselten Blätter und Äste zersetzen, findet eine Aktivierung der Mikroorganismen, Würmer und Insekten statt. Sie verwandeln die harte, trockene und nährstoffarme Erde in Humus, eine Weiterentwicklung des Komposts. Die lockere Materie gibt Nährstoffe weiter und speichert Wasser wie ein Schwamm. Zwar gebe es Niederschläge hier, doch das Wasser versickere, so Ramis, ohne dass es bei den Pflanzen ankommt. In der regenerativen Landwirtschaft bleibe es dort, wo es hinsoll. Für alle Fälle haben die beiden noch die Genehmigung für den Bau eines 180 Meter tiefen Brunnens beantragt.

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Die Früchte des Waldgartens

„Die Bäume sollen künftig die Familie jeden Monat mit frischen Früchten und anderen nährstoffreichen Ökolebensmitteln versorgen“, sagt Miquel Ramis. Diesen Winter will er an die 200 Bäume in kurvigen Reihen so pflanzen, dass sie mit ihren Wurzeln die Bewässerung unterstützen. Zunächst werden es robuste Inselbäume sein, vom Johannisbrot- über Feigen-, Mandel- und Zürgelbaum bis hin zu Eichen mit essbaren süßen Früchten. Empfindlichere Gewächse, wie zum Beispiel Zitrusbäume, könnten dann im Schutz der Inselgehölze wachsen.

Den Boden des Grundstücks zu regenerieren wird allen Beteiligten langen Atem abverlangen. Es ist Nola zu wünschen, dass sie irgendwann reife Früchte pflücken kann.

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