Am vierten Prozesstag im Fall des Rentners auf Mallorca, der 2018 einen Einbrecher erschoss, haben am Donnerstag (14.9.) die Ermittler sowie die Mitglieder der Diebesbande ausgesagt. Dabei versuchte jeder der drei Angeklagten am Donnerstag (14.9.), seine eigene Haut zu retten. Auch wenn das bedeutete, die Komplizen zu verraten.

Neben den drei Einbrechern sitzt auch der 83-Jährige auf der Anklagebank, in dessen Finca die Männer einbrachen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine vierjährige Haftstrafe, die Mutter des Verstorbenen fordert 15 Jahre wegen Mordes.

Wer ist verantwortlich für den Einbruch?

Während in den vergangenen Tagen der Rentner aussagte, dass er in Notwehr handelte, kamen nun die Einbrecher und die Ermittler zu Wort. Der Zwillingsbruder des Verstorbenen sei kurz nach der Tat heulend auf der Polizeiwache aufgetaucht. "Er wollte alles gestehen, sagte, dass sein Bruder unnötig gestorben ist und dass die zwei Idioten, die beim Einbruch halfen, den Angeschossenen einfach zurückließen", schilderte ein Polizist der Guardia Civil.

Der Zwillingsbruder sagte erneut aus, dass zwei Männer aus Campos hinter dem ganzen Einbruch steckten. M.R. und J.A.S. hätten sich mit ihm und seinen Bruder in Colònia de Sant Jordi getroffen. Dort hätten sie ihnen den Plan erklärt, die Brüder mit Brecheisen und Handschuhen ausgestattet sowie ihnen Waffen - Messer und Pistolen - angeboten. Letzteres hätten die Brüder abgelehnt.

Waffenfund bei Hausdurchsuchung

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei die beschriebenen Waffen bei den mutmaßlichen Auftraggebern. Eine Untersuchung der Handys ergab, dass sie mit den Brüdern Kontakt hatten, obwohl sie zuvor versuchten, die Spuren zu verwischen. Der Zwillingsbruder gab zudem erneut an, dass er den Rentner erst attackierte, als dieser den Abzug gedrückt und seinen Bruder angeschossen hatte.

M.R. verneinte vor Gericht, dass er hinter dem Einbruch steckt. Er sagte aus, dass die Brüder ihn bedroht hätten und er sie deswegen zu der Finca des Rentners gefahren hätte. Damit widerspricht er einer seiner früheren Aussagen, als er J.A.S. als Drahtzieher und sich selbst als den Verantwortlichen für die Logistik bezeichnet hatte.

Was wurde aus dem Diebesgut?

Besonders zwei Fragen beschäftigte am Donnerstag das Gericht: Hat der Rentner zuerst geschossen oder wurde er zuerst angegriffen? Und was wurde aus dem Geld? Die Ermittler, die den 83-Jährigen damals in der Finca kurz nach dem Vorfall fanden, gaben an, dass der Rentner äußerst nervös war und Verletzungen von Schlägen aufwies. Damals habe er gestanden, geschossen zu haben. Er wisse aber nicht, ob er jemanden getroffen habe, schilderten die Ermittler seine Aussagen von damals.

Zwei Monate zuvor sei es wohl schon mal zu einem Einbruch gekommen, den der Rentner nicht zur Anzeige gebracht hatte. Vor Gericht gab er nun an, dass er nicht geschossen hätte, wenn die Einbrecher einfach mit dem Geld verschwunden wären.

Bei der Durchsuchung der Finca hatten die Ermittler damals nur einen Schuh gefunden. Von dem Geld war keine Spur. Der überlebende Zwillingsbruder gab an, dass er den Beutel mit dem Diebesgut, etwa 12.000 Euro, weggeworfen hätte. Laut J.A.S. habe der Einbrecher das Geld in Drogen und Glücksspiel verpulvert. /rp