Mallorca Zeitung

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Flamenco lernen auf Mallorca: Hier gibt es Kurse in Tanz, Gesang, Gitarre und Perkussion

Wer sich vom Festival Paco de Lucía inspiriert fühlt, diese Kunst selbst zu erlernen, braucht viel Geduld und Durchhaltevermögen. Hier können Sie in Palma einen Versuch wagen

Bis es so gut aussieht, braucht es viele Jahre des Trainings: ein Auftritt der spanischen Tanzkompanie Ballet Flamenco de Andalucía. | JUNTA DE ANDALUCÍA/PIM

Schwindelerregend schnelles Gitarrenspiel, von purer Emotion getragener Gesang und eine Fußarbeit beim Tanz, die einen Presslufthammer vor Neid erblassen lassen würde: Wer schon einmal hochkarätige Flamenco-Darbietungen auf der Bühne gesehen hat, ahnt: Diese Kunstform ist genauso schwierig, wie sie aussieht. Wer davon spricht, „Flamenco lernen“ zu wollen, meint damit wohl meist den Tanz. Er ist aber nur ein Element neben Gesang, Instrumentalspiel und Perkussion. Sie bilden ein Gefüge, das sich in einer Vielzahl von stilistischen Varianten (palos) ausdrückt.

Für die Praxis heißt das: Wer den Flamenco schon in die Wiege gelegt bekommen hat, feilt später nur noch an seiner Technik. Wer dieses Glück nicht hatte, muss die besonderen metrischen und rhythmischen Strukturen zuallererst verstehen und fühlen lernen. Die festen Choreografien, die man normalerweise beim Tanzunterricht zu den unterschiedlich kniffligen „Bulerías“, „Seguiriyas“, „Tangos“ oder „Fandangos“ beigebracht bekommt, sind dazu quasi nur die Stützräder.

Flamenco ist definitiv nichts, womit man schnelle Erfolge feiern kann: Blutige Anfänger dürfen sich nicht wundern, wenn sie allein schon ein Dreivierteljahr brauchen, um die Grundlagen zu beherrschen und Arme, Hände und Füße unabhängig voneinander bewegen zu können. Ist man aber einmal „über den Berg“ und kann ein wenig loslassen, hat sich die Mühe gelohnt– und es wird zu einer nahezu befreienden Erfahrung, tanzend das Universum des Flamenco zu erforschen. Hier finden Sie die besten Adressen, wenn Sie in Palma dieses Abenteuer in Angriff nehmen möchten.

Centro de baile Carmen Torres

Die in Córdoba geborene bailaora Carmen Torres betreibt nach dem Tod von Carmen Montero „La Carmeta“ im Jahr 2021 heute wohl die einzige ausschließlich dem Flamenco gewidmete Tanzschule von Mallorca und gibt dort ihr Können weiter. Momentan bietet sie in unterschiedlichen Niveaus nur Kurse für Erwachsene an: Jeweils zweistündigen Unterricht gibt es montags von 10 bis 12 Uhr für Anfänger und mittwochs zur selben Uhrzeit für etwas fortgeschrittenere Anfänger („básico“).

Von Montag bis Donnerstag bietet Torres zudem zwischen 18.30 Uhr und 21.30 Uhr jeweils einstündige Tanzkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Am Freitag gibt es noch eine Básico-Gruppe von 18 bis 20 Uhr. Die Teilnahme kostet 65 Euro pro Monat bei zwei Stunden pro Woche – man kann damit also zwei verschiedene, kürzere Kurse oder einen Kurs im Zwei-Stunden-Block besuchen. Eine Probestunde schlägt mit 13 Euro zu Buche. Auch Privatunterricht ist auf Anfrage möglich.

C/. Villalonga, 40, Kontakt unter Tel. 666-65 81 62 oder carmensebas@hotmail.com; Achtung: Die Zeiten auf der Website sind nicht aktuell.

Escuela de baile Ana Merino

Die Escuela de baile Ana Merino hat zwar auch Hip-Hop im Angebot, aber der Schwerpunkt liegt auf Flamenco für verschiedene Altersgruppen. Carmen Torres empfiehlt stets, sich an diese Tanzschule zu wenden, wenn es um Unterricht für Kinder geht: Aktuell steht dort „Flamenco infantil“ täglich von Montag bis Freitag auf dem Programm. Los geht es um 17.20 Uhr oder um 17.30 Uhr. Für Erwachsene gibt es derzeit am Freitag um 18.35 Uhr einen Anfängerkurs, zwei Klassen für mittleres Niveau (Mo. 18.40 Uhr und Do. 19.30 Uhr) und vier für Fortgeschrittene (Di. 19.20 Uhr, Do. 20.35 Uhr, Fr. 16.25 Uhr und um 19.40 Uhr). Einsteiger sollten besser bis September warten, weil die Gruppen derzeit mit ihren Choreografien schon weit vorangekommen sind. Die Kursgebühr beträgt 28 Euro pro Monat, ab zwei Kursen gibt es zehn Prozent Rabatt.

C/. Gabriel Cortés, 2 Local 6 – Sa Indioteria, Kontakt unter instagram.com/academia flamencoanamerino, Tel.: 659-96 65 86.

Centro de danza Antonio Campins

Antonio Campins steht mit seiner Tanzschule für klassisches Ballett und Danza Española (siehe unten). Letzterer beinhaltet auch den „akademischen“ Flamenco mit Fokus auf technischer Perfektion. Campins bietet drei dieser Kurse für etwas fortgeschrittene Erwachsene an: Mo. und Mi. von 20 bis 21 Uhr und Fr. von 18.30 Uhr bis 20 Uhr. Für Kinder ab vier Jahren gibt es von Mo. bis Do. ab 17.30 Uhr Kurse, die Ballett und spanischen Tanz beinhalten. Wer einmal pro Woche tanzt, ist mit 35 Euro pro Monat dabei, bei zwei Stunden pro Woche sind es 65 Euro. Wer alle Kurse belegt, zahlt monatlich 85 Euro. Bei Kindern gilt ein Preis von 50 Euro pro Monat bei zwei wöchentlichen Trainings.

C/. Alòs, 14, Kontakt unter Tel. 971-91 78 31 oder 607-92 55 54 und persönlich Mo.–Fr. ab 16 Uhr.

El Rincón del Arte

Der Flamenco-Percussionist Benji Habichuela hat sich den Traum einer eigenen Musikschule in Palma verwirklicht. Das Programm von „El Rincón del Arte“ ist am 6. März gestartet, eine Jahresmitgliedschaft kostet 30 Euro. Auch dort soll es in Zukunft Tanz geben – der erste Tagesworkshop mit Patricia Moro ist für Anfang April geplant –, doch vor allem wird man die besondere Gelegenheit haben, auch die anderen Aspekte des Flamenco erlernen zu können – im Einzel- oder Gruppenunterricht und für alle Altersstufen:

Cajón (Kistentrommel) und Perkussion (mehrere Kurse am Mo., Di. und Mi. von 16 Uhr bis etwa 20/21 Uhr und Sa. von 10 bis 14 Uhr, 55–72 Euro pro Monat), Flamencogitarre mit Benji Habichuela und Rafael Santiago (Kurse am Di. und Mi. ab 16 Uhr, 55–65 Euro pro Monat) und Gesang mit Nuria Millan (ab 9. März, Do., Zeit wird noch bekannt gegeben, 65 Euro pro Monat). Eine Probestunde ist ab 18 Euro möglich. In Zukunft will Habichuela eine Combo auf die Beine stellen: Die Schüler aus den verschiedenen Disziplinen sollen dabei ihre Talente vereinen, gemeinsam spielen – und somit lernen, was Flamenco tatsächlich bedeutet.

C/. Sant Joaquim, 17, bajos, Kontakt und Infos: instagram.com/elrincondelartebh, Tel.: 615-48 71 79, benjihabichuelapercusion@gmail.com

Mögliche Alternative: Danza Española und Sevillanas

Wenn man sich beim Programm diverser Tanzschulen – etwa auch bei Antonio Campins – in Palma umsieht, stößt man immer wieder auf den Begriff der „Danza española“. Dahinter steckt kein „reiner“ Flamenco, sondern eine Kombination aus verschiedenen Richtungen: Folklore, Escuela Bolera, stilisierter spanischer Tanz (beides häufig mit Begleitung von Kastagnetten) sowie auch Flamenco, wobei der oberflächlicher gestreift wird.

Eine gute Möglichkeit zum Einstieg in die Körperarbeit des Flamenco ist auch ein Sevillanas-Kurs, den zum Beispiel Ana Merino anbietet: Der folkloristische Paartanz aus Sevilla hat einen einfachen Grundrhythmus, beinhaltet aber viele choreografische Elemente, die sehr hilfreich sind, wenn man im Anschluss einen Flamenco-Kurs machen möchte.

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