Mallorca Zeitung

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Selbst den Tomaten ist es auf Mallorca derzeit zu heiß

Ein Besuch auf der Gemüseplantage S’ Hortolà in Son Ferriol

Marga Cirer bei ihren Pflanzen. | FOTOS: N. BENDGENS Nele Bendgens

Eigentlich wollten wir den Höhepunkt der Tomatenernte im August dokumentieren. Doch es kam anders. Denn Marga Cirer bedauert, dass wir nicht schon im April gekommen sind: „Dann sind die Pflanzen im Gewächshaus jung und grün, im August sind sie hingegen nicht mehr vital genug, um voll aromatische Tomaten zu liefern“, sagt sie.

Gemeinsam mit ihrem Bruder leitet sie in dritter Generation die Gemüseplantage S’Hortolà in Son Ferriol. Den landwirtschaftlichen Betrieb begann der Großvater. Er baute seinerzeit den Brunnen zu einer Windmühle für die Wasserförderung aus. Heute läuft diese Mühle, wie vieles andere auch, automatisch. Aus dem Hof sind Plantagen geworden, die mit 34 Hektar Produktionsfläche zu den kleineren auf der Insel zählen und größtenteils industriell betrieben werden.

Dünnhäuter mit viel Geschmack

Das Gemüse wird auf Marktständen in Palmas Mercat de l’Olivar, auf dem Mercat de Santa Catalina sowie an ausgewählte Großkunden verkauft. Für die Bewirtschaftung gilt das Prinzip der integralen Landwirtschaft. Will heißen: Das Unternehmen ist an die Kreislaufwirtschaft der Insel angeschlossen. Den Kompost liefert das Entsorgungsunternehmen Tirme, das die Abfälle der Hotels verarbeitet.

Auf S’Hortolà wachsen vor allem Eier- und Salattomaten. Der Star aber ist die rosafarbene Sorte „Rosada“. Sie seien die Ersten gewesen, die sie auf der Insel anpflanzten, sagt Cirer. Die für Gewächshäuser und im Freien gezüchtete Hybride ist der zu den alten Sorten zählenden Montserrat-Tomate aus Katalonien ähnlich.

Der Renner ist rosa

Die Rosa-Tomate ist eine große, fleischige Tomate mit dünner Haut und viel Fruchtfleisch, sie schmeckt süß, hat wenig Säure, kaum Kerne und soll eine Alternative zur sonnengereiften Tomate sein. Bevor diese Sorte auf den Lastkraftwagen kommt, klebt man auf jede einzelne einen Aufkleber mit dem Logo S’Hortolà. „Die Kunden kennen die Marke und fragen beim nächsten Mal nach ihr“, berichtet Cirer.

Ausschließlich für die Gewächshäuser wurde die Raf-Tomate gezüchtet. Sie reift am schnellsten. Raf ist die Abkürzung für „Resistente al fusarium“, was bedeutet, dass die Hybride gegen die Fusarium-Welke resistent ist, eine Pilzkrankheit, die weltweit Tomatenpflanzen in Gewächshäusern befällt. Der Strauch kann hohe Zuckerwerte erreichen, die Tomaten müssen geerntet werden, bevor sich die Haut gänzlich rot verfärbt.

Außen grün, innen saftig: Raf-Tomaten sind resistent gegen einen Pilz. Nele Bendgens

Die Ernte der Tomaten in den Gewächshäusern dauert einige Monate, die Sonne kommt auch bei größter Hitze nur durch das Dach abgeschwächt an die Pflanzen. „Wir setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung“, sagt Cirer und deutet auf ein winziges krabbelndes Insekt auf einer Salattomate. Es handelt sich um Raubwanzen (Nesidiocoris tenui).

Pheromone locken Insekten

Die Krabbler sind als Eier in das Gewächshaus gekommen und vermehren sich hier. Ihre Nester bauen sie auf großblättrigen Pflanzen, die zwischen den Tomatenreihen und den Wänden der invernaderos wachsen. Ihre Nachkommen fressen dann die Eier und Raupen der Tomatenminiermotte (Tuta absoluta). Als zusätzlichen Schutz sind in regelmäßigen Abständen am Anfang der Pflanzreihen gelbe Klebefallen befestigt. Pheromone locken die Schädlinge an und lassen sie den Streifen auf den Leim gehen.

Auf dem Weg zu den Freilandtomaten bläst ein unangenehm heißer Wind. „Das Meer ist nicht weit, früher kam von dort eine frische Brise“, sagt die Mallorquinerin. So weit das Auge reicht, sind hier Schilfstangen zu sehen, an denen Pflanzen emporklettern, ihr Laub wirkt grün, gesund und üppig. Im April wurde hier, ganz traditionell, Eier und -Salattomaten sowie die Rosa-Tomate gepflanzt. Während es noch kühl war, bildete die Pflanze zuunterst Blüten. Die Ernte der ersten Tomaten, die an der Sonne reiften, war dann zufriedenstellend.

Rosafarbene Tomaten sehen besonders schmackhaft aus. Nele Bendgens

Hitze schadet der Frucht

Doch dann kam die Hitze. Am Besuchstag hängen nur noch wenige grüne, rote und rosa Tomaten am Strauch, doch sie fallen unter die Rubrik merma, wie man Exemplare nennt, die beschädigt sind und nicht mehr verkauft werden können. Wenn es so lange so heiß sei wie in diesem und den vorigen Sommern, sagt Cirer, dann wären die Tomatenpflanzen unfähig, weitere Blüten zu bilden. Die Produktion falle Jahr für Jahr immer spärlicher aus. Dabei wären die Kosten der Schilfstangentechnik im Freien höher als im Gewächshaus.

So gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Produktion im Freien ganz einzustellen oder aber die Pflanzen, Blüten und Früchte mit feinmaschigen Netzen vor Sonne und Schädlingen zu schützen. Eine sehr hohe Investition, doch durch sie könnten künftig auch im August sonnengereifte Tomaten am Strauch geerntet werden.

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