Auf zwei Hochzeiten zu tanzen, ist nicht einfach. Das bekommt gerade Real Mallorca zu spüren. Der Erstligist erreichte mit einer Galavorstellung gegen das diesjährige Überraschungsteam Girona das Pokalhalbfinale. Das Hinspiel steht am Dienstag (6.2., 21 Uhr) im Son Moix gegen Real Sociedad an. In der Liga war hingegen der Akku leer. Gegen Real Betis verlor der Inselclub mit 0:1. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf der Tribüne waren die Mallorquiner den Andalusiern unterlegen.

Der Reihe nach: Während RCD-Trainer Javier Aguirre gegen Girona mit Ausnahme des Torwarts auf seine erste Elf setzte, rotierten die Gäste einige Stammspieler aus der Startaufstellung. Real Mallorca überrollte den Tabellenführer förmlich und zeigte eine der besten Halbzeiten der Vereinsgeschichte. Im zweiten Abschnitt wackelte der 3:0-Vorsprung dann. Erst durch einen verwandelten Elfmeter samt Platzverweis für Kapitän Raíllo und deutlich stärker in der Nachspielzeit nach dem Anschlusstreffer. Doch Ersatzkeeper Dominik Greif zeigte eine sensationelle Leistung.

Keine Puste mehr gegen Real Betis

Gegen Real Betis am Samstag tauschte Aguirre dann einige Spieler aus. Diejenigen, die ein zweites Mal die Woche ranmussten, wirkten platt. In einer zähen Partie mit vielen Unterbrechungen sorgte ein Fernschuss von Altimira kurz vor der Pause für die Entscheidung. Die Mallorquiner drückten zwar im zweiten Abschnitt, kamen aber selten vors Tor.

Hitziger war der Kampf auf den Rängen. Eigentlich bildet nur ein schmaler Streifen im Stadion den Gästeblock. Für die geschätzt 1.200 Andalusier reichte der aber nicht aus. Real Betis aus Sevilla gehört zu den wenigen Teams, die mit zahlreichen Anhängern auf die Insel kommen. Die Polizei vertrieb aus Sicherheitsgründen die mallorquinischen Fans in den anliegenden Blocks von ihren Plätzen, um die Gästezone kurzerhand zu erweitern. Dass das den Insulanern aufs Gemüt schlug, ist verständlich. Glücklicherweise blieben die Zuschauer ruhig und es kam nicht zu weiteren Zwischenfällen. Der Verein bat in einem Statement um Entschuldigung und kündigte an, bei künftigen Spielen mit vielen Gästefans schon vor der Partie die nötigen Maßnahmen zu treffen.

Vermeintlich leichtes Los im Pokal

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich zu dem Pokal-Halbfinale am Dienstag so viele Fans aus dem Baskenland nach Palma begeben. Von mallorquinischer Seite dürfte das Stadion von Son Moix aber proppevoll werden – die Fans hegen die Erinnerung an den Pokalsieg von 2003 als größten Schatz der Vereinsgeschichte. Real Sociedad ist zwar die tabellarisch gesehen einfachste Aufgabe, aber das Team aus San Sebastián war in den vergangenen Jahren ein Angstgegner. Der letzte mallorquinische Sieg datiert aus dem Jahr 2012. Damals gewann Real Mallorca sowohl im Pokal als auch in der Liga gegen die Basken.

Im Finale wartet der Sieger des zweiten Halbfinals Athletic Bilbao gegen Atlético Madrid. Die spanischen Überclubs Real Madrid und FC Barcelona sind bereits ausgeschieden. Das Pokalhalbfinale wird in Spanien in Hin- und Rückspiel ausgespielt. Am 27. Februar steht die Reise ins Baskenland an. In der Zwischenzeit sehen sich beide Teams am 18. Februar im Son Moix in der Liga noch einmal.

Auf das Wetter im Norden können sich die Mallorquiner am Freitag (2.2.) schon einstellen, dann geht es auswärts gegen Athletic Bilbao. Bei aller Vorfreude auf das Pokalhalbfinale darf die Liga nicht aus den Augen verloren werden. Dort ist der Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf vier Punkte geschmolzen.

Ex-Hertha-Spieler kommt

Gut möglich, dass sich Real Mallorca dann mit einem neuen Stürmer präsentiert. Zwar ist Vedat Muriqi nach langer Verletzungspause endlich wieder gesund, und Cyle Larin kommt auch langsam in Tritt, nun hat der Club aber zusätzlich Nemanja Radonjić samt Kaufoption ausgeliehen. Der 27-jährige serbische Nationalspieler ist deutschen Fans womöglich durch sein kurzes Gastspiel in der Rückrunde der Saison 2020/2021 bei Hertha BSC bekannt. In zwölf Spielen gelang dem Flügelangreifer für die Berliner damals ein Tor in der Bundesliga.

Erst im vergangenen Sommer wechselte er zum FC Turin, wo er in zehn Spielen drei Tore schoss. Zuletzt saß Radonjić aber fast nur noch auf der Bank.