Mallorca Zeitung

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Tierpensionen auf Mallorca: Preise, Auslauf und Streicheleinheiten in den Hundehotels

Nicht immer können Hund und Katze mit auf die Reise. Ein Ausweg sind dann Tierpensionen – wobei sich viele Halter damit schwertun

Tierpensionen mit Käfigen sollten der letzte Ausweg sein. Besser ist es, die Hunde bei einer Pflegerin abzugeben, die sich persönlich um die Vierbeiner kümmert. | FOTO: NELE BENDGENS

Die Suche nach einer Tierpension auf Mallorca gleicht dem Unterfangen, einen Kitaplatz in Deutschland zu bekommen. Viele Bewerber, wenige Plätze und die eine oder andere Möglichkeit, die man seinem Liebling nicht antun möchte. „Manche Kunden fragen bei mir schon an, ehe sie einen Hund kaufen. Sie richten sich bei ihren Urlaub dann nach meinem Terminkalender“, sagt Birgit Wahle, die neben einer Hundeschule auch eine Pension in Campos anbietet. Wie viele andere Anbieter auf Mallorca ist sie zu den Feiertagen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel bereits ausgebucht.

Die Tierhotels – die meisten nehmen nur Hunde auf, vereinzelte Anbieter auch Katzen – sind umstritten. „Ich wohne seit 30 Jahren auf der Insel und habe mehrere ausprobiert. Ich kann keine empfehlen“, sagt eine deutsche Hundehalterin. Eine andere pflichtet ihr bei: „Ich fahre maximal drei Tage weg, weil ich niemandem außer meiner Nachbarin meine Hunde anvertraue. In den Pensionen sind die Tiere oft 23 Stunden in einem Zwinger unter konstantem Gebelle, was Stress bedeutet.“

Was sagen Tierschützer zu den Pensionen

Maxi Lange vom Tierschutzverband Baldea relativiert: Es gebe auch gute Tierpensionen auf Mallorca, sagt sie. „Wir raten den Besitzern aber, ihre Tiere von klein auf an die Pensionen zu gewöhnen.“ Und natürlich müsse man sich die Installationen vorab anschauen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. „Man kann auch im Freundeskreis herumfragen und Empfehlungen einholen“, sagt Maxi Lange.

Gassigeher nach Hause bestellen

Auf Mallorca werden verschiedene Arten an Tieraufpassern angeboten. Üblich ist es, Bekannte oder den Nachbarn um Hilfe zu fragen. Zu bedenken ist, dass es mit dem im September eingeführten Tierschutzgesetz Vorschriften gibt, wie lange Haustiere höchstens allein gelassen werden dürfen: Katzen und Frettchen drei Tage, Hunde nicht länger als 24 Stunden. Wer in der Bekanntschaft keinen Freiwilligen findet, kann einen externen Helfer einstellen. Das Gassigehen ist ein beliebter Job bei Menschen ohne Arbeitsgenehmigung. Es muss jedoch eine gewisse Vertrauensbasis da sein, wenn man eine fremde Person in die eigene Wohnung lässt und man selbst nicht da ist. Anbieter finden sich reichlich in den gängigen Anzeigenportalen wie Milanuncios oder in Jobbörsen auf Facebook.

Zwinger in Sencelles

Das größte Tierhotel ist Son Batlet in Sencelles (sonbatlet.com). 40 Zwinger mit Schlafgelegenheit im Innenbereich stehen für Hunde zur Verfügung, 20 kleine Holzhäuser für Katzen. Die Hunde haben turnusmäßig in einem der zwölf Freigelände Auslauf. Bei den Katzen wird nur das Klo gereinigt und Futter aufgefüllt. Für einen Aufpreis von je 4 Euro können 15-minütige Streicheleinheiten oder Gassigänge hinzugebucht werden. Braucht das Tier Medizin, ist das Verabreichen ebenfalls kostenpflichtig. Die Unterbringung kostet 11,50 Euro für Katzen und 17 Euro für Hunde pro Nacht. Im Preis enthalten ist Trockenfutter. Anderes Futter kann mitgegeben werden, der Preis bleibt aber gleich.

Son Batle ist vom 21. Dezember bis 2. Januar komplett ausgebucht. Die Tiere müssen geimpft und mit einem Chip versehen sein. Bei den Hunden kann eine Schwangerschaft während des Aufenthaltes nicht ausgeschlossen werden. „Das Stresslevel für die Hunde ist bei einem Verbleib von bis zu 15 Tagen ähnlich“, heißt es auf der Website. Danach reagieren die Hunde unterschiedlich auf die Tierpension und zusätzliche Streicheleinheiten seien ratsam.

Individuelle Betreuung

„Die Liebe zu den Hunden ist die eine Sache, die wirkliche Kompetenz eine andere. Es ist wichtig, Leute zu engagieren, die Ahnung haben“, sagt Wahle. Die Deutsche setzt auf eine individuelle Hundebetreuung. Bis zu fünf Vierbeiner nimmt sie bei sich zu Hause auf. Vier Hunde besitzt sie bereits privat. „Die Tiere sind heutzutage ein Teil der Familie. Es ist ein großer Schritt, sie in Obhut zu geben.“

Um diesen Schritt zu erleichtern, bitte sie Frauchen oder Herrchen zu einem Vorgespräch. „So lerne ich auch den Hund kennen. Schließlich muss die Chemie stimmen“, sagt Wahle. Auch zu den Mitbewohnern. Schwierig wird es, wenn der Hund mit anderen Artgenossen nicht klarkommt. „Einen Beißvorfall gab es bei mir aber noch nie.“

„Die Tiere sind komplett in meinen Alltag integriert“, sagt Wahle. Wenn die Hundetrainerin nicht gerade eine Stunde gibt, kümmert sie sich um die Vierbeiner, die rund um das Haus auch Auslauf haben. „Die Türen stehen offen, und sie können rein und raus, wann sie wollen. Habe ich das Gefühl, dass ein Hund mal einen Tapetenwechsel braucht, gehe ich mit ihm Gassi.“ Die Deutsche setzt auf ihre Erfahrung und sieht sich selbst als „Möter“ – ein menschlicher Köter. „Mit der Zeit mutiere ich immer mehr zum Hund.“ Die Betreuung kostet 30 Euro pro Tag. Das Futter ist dabei im Preis enthalten.

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