Mallorca Zeitung

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Wo Mallorca alles andere als "banal und gentrifiziert" ist

Die Dörfer im Inselinnern wollen mit einem Masterplan ein nachhaltiges Tourismusmodell fördern

Einkehren in Montuïri. Frank Feldmeier

Landleben statt immer nur Strand: Die Gemeinden im Inselinnern von Mallorca, dem Pla, wollen mit einem neuen Masterplan für Urlauber attraktiver werden und gleichzeitig ein nachhaltiges Tourismusmodell fördern. Man wolle in den 14 Gemeinden an einem Strang ziehen, erklärte Joana Maria Pascual, Vorsitzende des kommunenübergreifenden Verbands, bei der Vorstellung des "Plan Estratético de Turismo del Pla 2030" am Dienstag (28.11.).

Der Masterplan hat mehrere Ziele. Es gehe darum, die Wirtschaft auf dem Land zu fördern, neue Jobs zu schaffen und die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern, erklärte Pedro Mas, Generaldirektor für den Bereich Nachhaltigkeit beim Inselrat von Mallorca. Bei der Bewerbung wolle man die Werte des Landlebens, den dörflichen Charakter und die entschleunigte Lebensweise in den Vordergrund stellen.

Viel Fläche, wenige Bewohner

Der Pla umfasst knapp 22 Prozent der Inselfläche, es leben hier aber nur gut vier Prozent der Inselbevölkerung. Zu finden seien hier 317 geschützte Kulturdenkmäler (BIC), deren Spektrum von religiösen Orten bis archäologischen Fundstätten reiche. Hinzu kämen die bodenständige, authentische Gastronomie, die traditionellen Wochenmärkte sowie Angebote für Wander- und Radtouristen, für die neue Routen in Vorbereitung seien. Dabei wolle man sich deutlich distanzieren von "Massentourismusprogrammen, die zu Gentrifizierung, zur Banalisierung von Kultur und Tradition sowie zum Verlust von biologischer Vielfalt und Ökosystemen führen", hieß es.

Weingarten am Camí de Muntanya. Hinten der Puig d' Alaró, Puig de s' Alcadena, Penyal des Migdia und Puig Major. Foto: Otto

Mit Geldern der EU

Für die Umsetzung des Masterplans stehen knapp drei Millionen Euro aus den Next-Generation-Fonds bereit. Einige darin vorgesehene Projekte seien bereits initiiert worden, so die Erweiterung des Radwegenetzes (375.000 Euro), ein Plan für nachhaltige Mobilität (140.000 Euro) oder Investitionen in Websites und soziale Netzwerke (85.000 Euro). Definiert wurden vier Schwerpunkte der Projekte: Nachhaltigkeit (610.000 Euro), Energieeffizienz (614.037 Euro), Digitalisierung (748.000 Euro) und Wettbewerbsfähigkeit (1,02 Millionen Euro).

Knochenarbeit: die Melonenernte im Pla de Mallorca. | FOTOS: NELE BENDGENS barbara Pohle

Schwächen und Sorgen

Der Masterplan analysiert neben den Stärken des Pla aber auch seine Schwächen. So wurde festgestellt, dass die Gegend noch kaum positioniert sei als ländliches Reiseziel. Auch die Zusammenarbeit und die Koordination der touristischen Aktivitäten sei noch verbesserungswürdig. Sorgen bereiten vor allem der "drohende Verlust traditionellen Wissens durch den Generationenwechsel" sowie "ein gewisser Verlust der kulturellen Identität durch Zuwanderung".

Im Pla gibt es insgesamt knapp 1.300 reguläre touristische Unterkünfte, was einen inselweiten Anteil von 6,9 Prozent ausmacht. Drei Viertel der Gästebetten entfallen auf Ferienwohnungen. Während es nur elf Hotels gibt, sind agroturismos zahlreich vertreten. Die meisten Angebote finden sich in Algaida, gefolgt von der Gemeinde Sineu. Am wenigsten touristisch erschlossen sind Vilafranca und Santa Eugènia.

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