Mallorca Zeitung

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Das verdient man auf Mallorca - und das steht auf der Gehaltsabrechnung

Was jede Gehaltsabrechnung auf jeden Fall enthalten muss - und was sich von Fall zu Fall ändert

Die wenigsten Arbeitnehmer in Spanien verstehen jede Angabe auf ihrer Gehaltsabrechnung. DPA

Wer erst seit Kurzem auf Mallorca arbeitet, fragt sich vermutlich, was so manche Daten auf seiner Gehaltsabrechnung zu bedeuten haben. Oft wissen selbst langjährige Mitarbeiter von Firmen gar nicht genau, was auf ihrem recibo de salario alles aufgeführt ist – ganz nach dem Motto: „Hauptsache, die Endsumme des Gehalts, die aufs Konto überwiesen wird, stimmt.“

Eines vorweg: Jede Gehaltsabrechnung ist individuell. Entscheidend sind etwa der Sektor samt gültigem Tarifvertrag (convenio colectivo), die genaue Position eines Angestellten sowie auch Vereinbarungen zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat (acuerdos colectivos) oder einzeln ausgehandelte Konditionen, die im Arbeitsvertrag stehen. Den für alle einzuhaltenden rechtlichen Rahmen für jegliche Aktivität in Spanien gibt der Estatuto de los Trabajadores vor, betont Alejandro García, Verantwortlicher für die Abteilung Arbeitsrecht im Anwaltsbüro Bufete Antonio Font.

Mindestlohn angehoben

In dem Gesetz über die Arbeitnehmerrechte ist etwa der Mindestlohn festgelegt. Erst kürzlich gab es hier eine Änderung, die allerdings noch im Amtsblatt BOE veröffentlicht werden muss. Statt wie bis Ende vergangenen Jahres 1.080 Euro brutto (in 14 Gehältern) soll der Mindestlohn (salario mínimo interprofesional, SMI) um fünf Prozent auf 1.134 Euro (in 14 Gehältern) angehoben werden. Das wird, sobald das Gesetz veröffentlicht ist, nach den Plänen rückwirkend geltend gemacht. Rund 34.000 Arbeitnehmer, vor allem jungen Leute, auf den Balearen dürfen sich nun über mehr Geld freuen. Zum Vergleich: 2017 lag der SMI noch bei 707,80 Euro brutto, merkt García an. Bekommt ein Arbeitgeber also einen Vertrag vorgelegt, in dem beispielsweise 900 Euro brutto als Gehalt aufgeführt sind, sollte er nicht unterschreiben.

Kennt sich aus mit Zahlen und „convenios“: Alejandro García vom Bufete Antonio Font. Bendgens

Vom Brutto- zum Netto-Gehalt

Doch was bleibt in Spanien vom Bruttolohn übrig? Zunächst: Die Unterschiede zwischen Brutto- und Nettogehalt sind hierzulande in vielen Fällen nicht so groß wie in Deutschland. Dort gibt man das Bruttogehalt vor Antritt einer neuen Arbeitsstelle aus Neugier häufig in einen Online-Rechner (calculadora de sueldo neto) ein. Einen solchen, der die End-Gehälter in Spanien recht zuverlässig ausrechnet, kann García nicht empfehlen. Ein MZ-Test zeigt aber, dass die Rechner einiger Banken (bancosantander.es oder web.bbva.es) recht zuverlässig funktionieren.

Dort einfach das Jahres-Bruttogehalt, die Berufsgruppe, das Alter, den Familienstand sowie die Vertragsart angeben. Auch ob man Kinder oder eine Behinderung hat oder Personen betreut sowie für die Arbeit versetzt wurde (movilidad geográfica), muss man eintragen. Wichtig ist zudem die Anzahl an Gehaltszahlungen. In Spanien kann man sich zum Teil aussuchen, ob man sein Gehalt in Form von zwölf oder 14 Gehaltszahlungen bekommen möchte. „Mir sind schon Branchen untergekommen, in denen das Gehalt in 18 Zahlungen überwiesen wird, in Form von zwölf normalen Gehältern und sechs Extrazahlungen“, so García.

Mir sind schon Branchen untergekommen, in denen das Gehalt in 18 Zahlungen überwiesen wird, in Form von zwölf normalen Monats- und sechs Extrazahlungen.

ALEJANDRO GARCÍA - Verantwortlicher der Abteilung „Arbeitsrecht“ im Bufete Antonio Font

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Diese Daten sind Pflicht

Etwas genauer als die Internetrechner ist der Entwurf eines Gehaltsnachweises (borrador), ganz exakt ist wirklich nur der tatsächliche Nachweis. Folgende Daten sollten auf dem Kopf jeder Gehaltsabrechnung stehen: Adresse des Angestellten, Name und Adresse des Unternehmens, Nummer, mit der es bei der Seguridad Social registriert ist, Name des Angestellten (trabajador), Berufsklasse (categoría), DNI- oder NIE-Nummer sowie Zeitpunkt, seit dem der Angestellte schon beim Unternehmen beschäftigt ist. Die Information ist nach Angaben von García wichtig, da zum Beispiel einige Mitarbeiter alle fünf Jahre einen Bonus bekommen.

Es gibt einige Daten, die auf jeder Gehaltsabrechnung stehen sollten. Bendgens

In der Zeile darunter findet sich dann in jedem Fall die Sozialversicherungsnummer des Angestellten (N° Afiliación S. S.). Auch ein Feld namens tarifa kann ausgefüllt sein. „Dieser Wert, der Auskunft über die Beitragsklasse angibt, war vor allem in den 1970er-Jahren wichtig, hat mittlerweile aber kaum mehr Bedeutung“, sagt García. Es gebe zehn Gruppen. Ingenieure etwa befinden sich in Gruppe 1, nicht qualifizierte Arbeitskräfte in Gruppe 10.

Cod. CT gibt Auskunft über die Vertragsart (befristet, unbefristet, fijo discontinuo). „Mittlerweile sind praktisch alle Verträge unbefristet“, weiß García. Daher stehe dort in einer Vielzahl an Fällen die Ziffer 100. Bei fijos discontinuos, dauerhaft unregelmäßig angestellten Arbeitnehmern wie etwa Saisonkräften, findet man eine 300.

In dem Feld sección kann die Personalabteilung Codes eintragen, die ihr dabei helfen, die Personalkosten zu analysieren. „Auch interne Nummern für jeden Angestellten (NRO) erleichtern der Personalabteilung die Suche nach bestimmten Angestellten“, so García. Besser verständlich ist der Zeitraum (periodo), für den die angegebenen Daten gelten. Sofern ein Mitarbeiter nicht beispielsweise zur Mitte des Monats neu angefangen hat, ist dort ein ganzer Monat vermerkt.

Bezüge und Abgaben

Dann folgt die Aufschlüsselung an Bezügen (devengos) und Abgaben (deducciones). Dabei ist zunächst entscheidend, in welchem Sektor jemand arbeitet und welche Tarifverträge dort gelten. „Im Gaststättengewerbe gibt es etwa sechs verschiedene Gehaltsklassen. In Gruppe 1 sind die Chefs, in Gruppe 2 stellvertretende Leiter, in Gruppe 3 Rezeptionisten, in Gruppe 4 Fachkräfte wie Kellner oder Köche, in Gruppe 5 Hilfskräfte der Fachkräfte, in Gruppe 6 Mitarbeiter mit weniger Verantwortung, etwa Pagen. Ganz oben auf jeder Gehaltsabrechnung steht meist der salario base (Grundgehalt). Plus extrasalarial oder mejora voluntaria bedeutet, dass ein Arbeitnehmer mehr als das in den convenios oder acuerdos festgelegte Mindestgehalt bekommt.

Unter precio sind jeweils die Tagesgeldsätze angegeben, mit denen die Werte in der Spalte cuantía multipliziert werden, um auf die Endsummen der Bezüge zu kommen.

Das bedeuten die einzelnen Angaben auf der Gehaltsabrechnung. Bendgens

Aufteilung der Sozialabgaben

Sozialabgaben unterteilen sich auch in Spanien in einen Arbeitgeber- und einen Arbeitnehmeranteil – im Vergleich zum deutschen System allerdings deutlich zulasten des Arbeitgebers. Das wird schnell deutlich, wenn man die verschiedenen Beiträge des Arbeitnehmers oben (cotización …) mit denen des Arbeitgebers im unteren Teil (Determinación de las B. de cotización …) vergleicht. Contingencias comunes gibt den Beitragssatz zur Krankenversicherung und Rentenversicherung an. Auch die Waisen- oder Witwenrente sowie die vorübergehende oder dauerhafte Arbeitsunfähigkeit fallen darunter. Einen Beitrag zur Weiterbildung (formación) müssen beide Seiten leisten. Das Geld kann das Unternehmen laut García etwa in Sprachkurse oder neue Technologien investieren. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung (desempleo) beträgt für den Angestellten 1,55 Prozent (entsprechend 25,22 Euro) für den Arbeitgeber 5,50 Prozent (entsprechend 89,48 Euro). Arbeitnehmer, die einen befristeten Vertrag haben, zahlen 1,60 Prozent.

Höhe der Einkommensteuer

Die bekannteste Abgabe dürfte die Einkommensteuer (IRPF) sein. Sie müssen alle Europäer zahlen, die mindestens 183 Tage ihren steuerlichen Sitz auf der Insel haben und mehr als den neuen Mindestlohn (15.876 Euro Jahres-Bruttogehalt) verdienen. „Wer in Frankfurt lebt und im Sommer nur drei Monate lang in Calvià arbeitet, zahlt 19 Prozent für den Impuesto sobre la Renta de no Residentes, egal wie hoch sein Lohn ist“, so Garcia. Für alle anderen erhöht sich mit steigendem Einkommen der Steuersatz. „Ein Topmanager mit 300.000 Euro Jahres-Bruttogehalt zahlt um die 45 Prozent“, so García. Wie hoch die Summe genau ist, hängt neben dem Jahres-Bruttogehalt auch davon ab, ob man Kinder hat oder eine Behinderung im Spiel ist, stellt der Mallorquiner klar. Bei Arbeitnehmern etwa, die 2024 ein Kind erwarten, kann der Wert beispielsweise von neun auf sechs Prozent sinken. Die Tatsache, dass man verheiratet ist, beeinflusst den Steuersatz nur, wenn der Ehepartner keine Einnahmen hat.

Endlich die Gehaltsabrechnung verstehen. Bendgens

Extras

Auf der Gehaltsabrechnung können zudem weitere Komponenten auftauchen, für die der Arbeitgeber je nach Branche, acuerdo colectivo, oder individuellem Arbeitsvertrag aufkommen kann. Wer etwa für die Arbeit sein eigenes Fahrzeug verwenden muss, wird den Posten kilometraje dort lesen. Manchmal bekommen Arbeitnehmer mit Kindern einen Zuschuss für den Kindergarten (guarderia) oder für Bücher (bolsa escolar). Auch Brillen-Zuschläge (gafas), Nachtzuschläge (nocturnidad) oder solche für Sonntage (domingos), Feiertage (festivos) oder Überstunden (horas extras) gibt es. Köche, die ihre eigenen Messer verwenden, bekommen eventuell einen herramienta-Zuschlag, Mitarbeiter des Gaststättengewerbes einen für Schuhe und Uniform. Bei Verkäufern sollten die Provisionen (comisiones) vermerkt sein. Auch eine private Krankenversicherung (seguro salud) oder eine Lebensversicherung (seguro de vida) können sich in der Abrechnung wiederfinden, ebenso wie ein Extra wegen eines Abschlusses (titularidad).

Hilfe vom Fachmann: Alejandro García, Bufete Antonio Font, La Rambla, 17, Palma, Mo.–Fr. 8–17 Uhr, Tel.: 971-22 91 60,

bufeteantoniofont.com

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