Es ist eine Kennenlerngeschichte, von der die beiden Mallorca-Auswanderer wohl selbst nicht gedacht hätten, dass sie sie eines Tages Freunden und der Familie erzählen würden: Tamara und Marco Gülpen waren einst Angestellte und Chef, zudem trennen sie 27 Jahre. Mittlerweile sind sie verheiratet, betreiben das seit mehreren Jahren das Hostal Playa de Palma gemeinsam und haben einen kleinen Sohn.

Es war im Frühjahr 2016, als Tamara, die damals Bohr und mittlerweile Gülpen heißt, für zwei Vorstellungsgespräche auf die Insel flog. "Ich wollte für ein paar Monate nach Mallorca kommen, um dort abzuschalten. Ich kam damals aus einer längeren Beziehung", erzählt die Auswanderin der MZ. Im Internet hatte sie eine Stellenausschreibung des Hostals gesehen sowie die einer Immobilienfirma. "Nachdem ich bei Marco das Vorstellungsgespräch hinter mich gebracht hatte, bin ich zu dem Immobilienbüro gar nicht mehr hingegangen. Die Arbeit im Hostal hat sich sehr gut angehört. Ich wollte den Job", so die Mutter eines fast drei Jahre alten Sohnes. Schon wenige Tage später sei sie erneut auf die Insel geflogen, um den Job im Hostal anzutreten.

"Was ist das für ein Obermacho?"

Dabei war ihr erster Eindruck von Marco während des Vorstellungsgesprächs nicht der beste: “Ich dachte mir, 'was ist das für ein Obermacho?', seine damalige Partnerin war zudem Nacktsängerin im Bierkönig", erinnert sich Tamara Gülpen. Trotzdem war Marco Tamara dann irgendwie doch sympathisch. "Sonst hätte ich auch niemals dort angefangen zu arbeiten", erzählt sie.

Damals lebte Marco Gülpen noch mit seiner Ex-Partnerin in einer Wohnung. "Auch so junge Frauen sind eigentlich nicht mein Beuteschema. Ich meine, ich suche mir nicht gezielt eine Frau, die 27 Jahre jünger ist als ich", erklärt sich der mittlerweile 58 Jahre alte Auswanderer.

27 Jahre Altersunterschied trennt Tamara und Marco Gülpen. Privat

"Es waren einfach zwei ganz unterschiedliche Welten: Marco stand mitten im Leben und wohnte jahrelang in einer Großstadt in Deutschland, ich war das Mädchen aus dem Dorf", so Tamara Gülpen, die aus dem Saarland kommt. Da die damals Mitte 20 Jahre alte Frau zu Beginn noch keine Wohnung auf der Insel hatte, wohnte sie einige Wochen lang im Hostal. Wenig später fand sie dann zwar eine Wohnung, hatte dort aber Bettwanzen. In der WG, in die sie danach zog, verstand sie sich nicht mit der Mitbewohnerin. Also zog die mittlerweile 30-Jährige Mitte August erneut ins Hostal, ins Zimmer mit der Nummer 5.

In Zimmer 5 fing alles an

In der "Goodbye Deutschland"-Folge vom 25.7. waren die beiden Auswanderer erst jüngst zu sehen, ebenso das berüchtigte Zimmer Nummer 5. Darin probierte sich Tamara in der Episode an einer Umgestaltung der Zimmerdekoration aus. "Bis August 2016 hatten wir ein ganz normales Chef-Angestellten-Verhältnis", erinnert sich Tamara Gülpen. An einem regnerischen Tag wollte sie nach Deutschland fliegen, habe allerdings in der Taxizentrale niemanden erreicht. Das hat Marco Gülpen mitbekommen, und ihr angeboten, sie zum Flughafen zu fahren.

Das Hostal Playa de Palma. Gülpen

"Auf der Fahrt sind wir dann ins Gespräch gekommen. Er hat erzählt, dass er gerne pádel spielt, ich Tennis", so Tamara Gülpen. Die erste Gemeinsamkeit war damit gefunden. Also lud Marco sie nach ihrer Rückkehr aus Deutschland zum gemeinsamen Tennis-Spielen ein. Etwas überrascht von dem Angebot, erzählte Tamara Gülpen einer guten Freundin davon. "Mein Chef will mit mir Tennis spielen. Soll ich das machen?" Ganz nach dem Motto "Er ist 27 Jahre älter als du, da wird schon nichts passieren", ermutigte sie die Freundin dazu. Einige Tage später standen beide dann zusammen auf dem Platz.

"Ich habe damals zwischen den Zeilen rausgehört, dass mich Tamara offenbar gar nicht als alten Mann ansieht, sondern mich durchaus interessant findet. Man spürt sowas ja irgendwie", erinnert sich Marco Gülpen. Also schaltete er in Sachen Eroberungstaktik in den, wie er sagt, "nächsten Gang" und lud die hübsche Blondine zum Essen ein. "Da haben wir uns dann näher kennengelernt und natürlich auch viel intimere Gespräche geführt als während der Arbeit", erzählt Marco Gülpen.

Wenn aus einem Arbeitsverhältnis eine Romanze und später eine Ehe wird

Damals habe sich das Paar einige Wochen lang heimlich gedatet. "Wir hatten schließlich ein Arbeitsverhältnis", so Marco Gülpen. Es war spannend und romantisch, sich auf diese Weise zu treffen, erinnert er sich. Und in Zimmer 5? Hat er auch ab und an mal heimlich übernachtet. Mitte September hat das Paar die Beziehung dann öffentlich gemacht und sich auch vor den anderen Mitarbeitern "geoutet".

Und die Kollegen? "Die fanden das gar nicht so schlimm. Mein Geschäftspartner auch nicht", erzählt Marco Gülpen. Tamara hatte besonders vor der Reaktion der anderen Mitarbeiter Angst. "Ich wollte schließlich keine Sonderstellung haben", so die Saarländerin. Doch alle Bedenken diesbezüglich waren umsonst. Einige Freunde und Tamaras Eltern taten sich anfangs jedoch tatsächlich schwer, ihre Entscheidung für einen so viel älteren Mann nachzuvollziehen. "Mein Schwiegervater zum Beispiel ist nur drei Jahre älter als ich. Ich konnte seine Reaktion gut verstehen, war ihm daher nie böse. Mittlerweile verstehen wir uns sehr gut", erzählt Marco Gülpen.

In der Zwischenzeit hätten auch alle anderen die Entscheidung der 27 Jahre jüngeren Tamara akzeptiert, Marco sei auch voll in ihren Freundeskreis integriert. Das Paar selbst merke den Altersunterschied kaum, erzählen die beiden. "Höchstens wenn ich mal Musik aus den 80ern spiele und dann merke, dass sie Tamara nicht kennt", lacht Marco Gülpen.

Das Paar mit Sohn Giulio. Gülpen

Hochzeit, Nachwuchs und noch weiterer Nachwuchs?

2018 heiratete das Paar, im September 2019 kam Sohn Giulio auf die Welt. Ob er bald ein Geschwisterchen bekommt? Bei der Mallorca-Folge des Formats "Das perfekte Promi Dinner" verriet Tamara kürzlich, dass sie sich gerne weiteren Nachwuchs wünscht. "Wir sind noch am Verhandeln", sagte die Saarländerin zur MZ und lacht. Marco Gülpen, der aus Köln stammt, hat neben Giulio noch eine erwachsene Tochter.

Marco Gülpen, gelernter Bürokaufmann, lebte von 1999 bis 2011 fest auf Mallorca, kehrte dann für kurze Zeit nach Köln zurück, wo er ein Hotel betrieb. Dann erhielt er die Zusage für das aktuelle Hostal an der Playa und kehrte 2012 auf die Insel zurück. Seit 2012 betreibt er das Hostal nun, mittlerweile mit Frau Tamara, die gelernte Touristikkauffrau ist. Erst kürzlich weihte das Paar die Cocktailbar Despacito im Erdgeschoss ein.

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Zukunftsprojekt: Ferienvermietung

Einst waren die Gülpens bis zur Schließung des Lokals zudem mit Danni Büchner in den Betrieb der ehemaligen Faneteria involviert. Neben dem Hostal Playa de Palma suchen die Gülpens derzeit noch Fincas mit Lizenz zur Ferienvermietung. So will sich das Paar ein zweites Standbein aufbauen. Das Paar lebt einen Teil des Jahres auf Mallorca, den anderen Teil in Deutschland.