Blüten, Stängel, Blätter oder Wurzeln, die toxische Wirkstoffe enthalten, sind auf der Insel nicht gerade selten anzutreffen. Sie gedeihen wild in den Gewerbegebieten der Städte und Dörfer, Wanderer entdecken sie in Felspalten, an den Wegrändern oder auf Wiesen. Doch auch in Gärten wachsen die giftigen, weil vielleicht bisher ihre Gefährlichkeit noch niemand aufgefallen ist. Hier eine Auswahl.

Rizinus

Hochgiftig sind die Samen des Wunderbaums, auch Rizinus (Ricinus communis bot., higuera infernal span., cagamutxo kat.) genannt. Sie enthalten Ricin, einer der giftigsten Wirkstoffe, die die Flora zu bieten hat. Schon wenige Samenkörner können zum Tod führen. Für das Rizinusöl (Ricini oleum) wird hingegen das unlösliche Eiweiß ausgepresst. Der katalanische Name cagamucho verrät, dass es auch auf der Insel als Abführmittel dient. Weltweit wird es als technisches Öl eingesetzt sowie als Grundlage für Cremes, Salben und Lippenstifte.

Schon ein einzelner Samen in der Kapsel des Rizinus kann tödlich sein

Die bis vier Meter hohe Pflanze wächst auf Mallorca in der Nähe der Sturzbäche, aber auch auf brachliegenden Grundstücken. Ihre imposanten Blätter haben Durchmesser bis zu 60 Zentimetern, sie ähneln Handflächen und sind, wie auch die Blattstiele, rot gefärbt. Die gut zwei Zentimeter dicken Früchte ähneln denen der Kastanien, die Stacheln sind jedoch weicher. Wächst der Wunderbaum im Garten, verhindert das Abpflücken welker Blüten die Fruchtbildung.

Der weiße Milchsaft in der unreifen Frucht des Schlafmohns ist gefährlich. Barbara Pohle

Schlafmohn

Der einjährige Schlafmohn (Papaver somniferum bot., dormidera span., cascall kat.) wächst in Gärten und wird manchmal in der Wildnis ausgesät. Zu erkennen ist er an seinen prächtigen Blüten und den zarten, gefiederten Blättern. Doch Vorsicht ist geboten: Alle grünen Pflanzenteile des Schlafmohns sind für Mensch und Tier giftig. Wenn sich die Blüte in einen Fruchtstand verwandelt, ist die Kapsel mit einem weißen Milchsaft gefüllt. Dieser enthält ein Gemisch aus rund 40 verschiedenen Alkaloiden. Die drei wichtigsten sind Opium, Morphium und Codein. Relativ harmlos dagegen ist der Bäckermohn. Dabei handelt es sich um die später gereiften Samen in der Kapsel, die häufig Backwerk aromatisieren.

Der Fingerhut wächst wild in den Felsspalten der Serra de Tramuntana. Barbara Pohle

Der Fingerhut

Der zweijährige Balearen-Fingerhut (Digitalis minor bot., dedalera span., didalera kat.) bildet im ersten Jahr Stängel und Blätter, im zweiten Blüten. Das endemische Gewächs kommt wild in Felsspalten der Serra de Tramuntana sowie im Nordosten Menorcas und auf Cabrera vor. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 20 bis 30 Zentimetern und ist an ihren weißen oder rosafarbenen Glocken leicht zu erkennen. Die giftigen Wirkstoffe sind in den Blättern am intensivsten: Schon zweieinhalb Gramm können tödlich sein. Da sie jedoch bitter schmecken und die Blüten leicht zu erkennen sind, kommt es selten zu Vergiftungen. Unter medizinischer Aufsicht wird die Digitalis zur Therapie von Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen erfolgreich eingesetzt.

Kultivierte Sorten bilden in Inselgärten Stauden in den Farben Weiß bis Apricot. Für Gärten, in denen sich Kinder oder Haustiere aufhalten, ist der Fingerhut für das Beet gänzlich ungeeignet.

Blüten der Engelstrompete. Barbara Pohle

Engelstrompete

Die Engelstrompete (Brugmansia arborea bot., trompetas del juicio span., trompetera kat.) stammt ursprünglich aus den Andenregionen Lateinamerikas. Halluzinogene Anwendungen sind aus dem westlichen Teil Südamerikas bekannt, vor allem von Völkern, die an den Hängen der Anden an der Pazifikküste wissen, sie dafür zu nutzen. Um die berauschende Wirkung zu erzielen, werden die getrockneten Blüten und Blätter als Tee eingenommen, geraucht oder gegessen. Es ist jedoch auch bekannt, dass der Konsum viele Risiken mit sich bringt. Es kann zu unerwünschten Neben- wirkungen, bei Überdosierung sogar zu Todesfällen kommen.

Die Engelstrompete wächst im Inselgarten als Baum, der zwei bis acht Meter hoch werden kann und üppig Blüten in Weiß, Rosa oder Gelb bildet. Die Früchte der

sehen wie Zucchini im Mini-Format aus, sie sind schmal und ähnlich lang wie die Blüten. Die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge, regelmäßiger Rückschnitt fördert die Blühfreudigkeit.

Die Beeren der Lantana (Wandelröschen) werden leicht verwechselt. Barbara Pohle

Wandelröschen

Diese Pflanze bildet im Frühjahr und Sommer ihre gelbroten Blüten, deshalb wird das Wandelröschen im Spanischen auch Bandera Española (bot., span., kat.) genannt. Sie bildet 50 bis 230 Zentimeter hohe Stauden, die wenig Wasser benötigen und gelegentlich zurückgeschnitten werden müssen. Als Bodendecker wird die violett blühende

geschätzt.

Die robuste Pflanze mit verlässlicher Farbenpracht wildert gelegentlich aus und wächst dann ohne Pflege ungehindert weiter. Die Lantana zählt nicht zu den Arzneimittelpflanzen, trotzdem sind alle Pflanzenteile hochgiftig. Die dunkelblauen Beeren, die sich oft gleichzeitig mit den Blüten am Strauch bilden, sehen verlockend aus und können leicht verwechselt werden. Vergiftungen sind schnell lebensbedrohlich.

Der Aronstab wächst auf Wiesen und Waldlichtungen. Barbara Pohle

Aronstab

Im Herbst sprießen auf feuchten Wiesen und Waldlichtungen die weiß geäderten, pfeilförmigen Blätter des Aronstabs. (Arum italicum bot., hierba de Aarón span., rapa kat.). Im Frühjahr zeigen sich dann die spektakulären Blüten. Das gelbe, zwischen 14 und 20 Zentimeter hohe Blütenblatt läuft oben spitz zu, unten rollt es sich ein und schützt so den gelblichen Blütenkolben. Bestäubt werden sie von Fliegen und Mücken, die durch einen nicht gerade appetitlichen Aasgeruch angelockt werden. Danach verwandelt sich die Blüte in Beeren, die erst grün und dann rot sind und am oberen Teil der Stängel sitzen.

Schon das Berühren von Blüte und Beeren kann zu heftigen Hautreizungen führen. Der Verzehr selbst geringer Mengen führt zu brennenden Schmerzen im Mund. In der Volks- medizin der Inseln kamen früher die Knollen gegen Infektionen der Bronchien zum Einsatz. Da es jedoch genügend andere, harmlosere Arzneimittelpflanzen gibt, wird empfohlen, wegen der Giftigkeit des Aronstabes auf andere heilende Gewächse auszuweichen.