Eine Richterin auf Mallorca hat am Freitag (1.12.) Pau Rigo freigesprochen. Dem Rentner des Mordes an einem Einbrecher schuldig gesprochen. Der Fall wurde in den vergangenen Monaten intensiv auf der Insel diskutiert, da dem Geschworenengericht ein Formfehler unterlaufen war. Erst vergangene Woche hatte der Oberste Gerichtshof der Balearen entschieden, dass der Fall nicht neu aufgerollt wird. Stattdessen solle das Landgericht mit den bestehenden Informationen ein Urteil fällen.

Das ist nun geschehen: "Es gibt nicht genügend Beweise, dass er (Pau Rigo, Anm. d. Red.) ein Motiv für einen Mord hatte", zitiert das "Diario de Mallorca" die Richterin. "Es bleibt der Zweifel, was das Geschworenengericht wirklich entscheiden wollte. Daher gilt die Regel: 'Im Zweifel für den Angeklagten', und der Freispruch für Pau Rigo."

Haftstrafen für die Einbrecher

Die drei Komplizen des verstorbenen Einbrechers müssen hingegen ins Gefängnis. Die zwei mallorquinischen Köpfe des Überfalls bekamen Haftstrafen in Höhe von vier Jahren und acht Monaten bzw. vier Jahren und sechs Monaten. Die unterschiedliche Dauer der Strafe ist darin begründet, dass einer der beiden die Tat verschleiern wollte und der andere mit den Behörden kooperierte. Ersterer darf sich zudem in den kommenden sechs Jahren Pau Rigo nicht nähern. Als Distanz wurden 500 Meter festgelegt.

Der kolumbianische Zwillingsbruder des Verstorbenen, der den Einbruch verübte, muss vier Jahre, elf Monate und 29 Tage ins Gefängnis. Auch er darf sich in den kommenden sieben Jahren dem Rentner nicht auf weniger als 500 Metern nähern. Die Verurteilten müssen Pau Rigo 15.000 Euro bezahlen, die sie von ihm gestohlen hatten. Der Zwillingsbruder muss zudem ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.107 Euro entrichten.

So hat Rentner Pau Rigo den Einbrecher auf Mallorca erschossen

So hat Rentner Pau Rigo den Einbrecher auf Mallorca erschossen

Was war passiert?

Zu dem Vorfall kam es im Februar 2018 in der Finca des Rentners in Porreres. Die kolumbianischen Zwillingsbrüder überfielen Pau Rigo, die Komplizen warteten draußen. Der Rentner nutzte einen Moment, als die Einbrecher abgelenkt waren, um eine Flinte zu holen und einen der Männer zu erschießen. In der Gesellschaft brach eine Debatte aus, ob es sich dabei um Notwehr handelte oder der Schuss nicht notwendig gewesen war.

Justizfehler verzögert den Prozess

Um die Schuldfrage zu klären, schaltete der Richter ein Schwurgericht ein. Das besteht aus neun Mitgliedern. Fünf von ihnen befanden Rigo für schuldig, den Einbrecher „getötet zu haben, unter dem Umstand einer existierenden Bedrohung, die sein Auffassungsvermögen und seine Handlungsentscheidung stark beeinträchtigt haben“. Mit der Mehrheit der Stimmen forderte die Staatsanwaltschaft drei Jahre und neun Monate Haft für den 83-Jährigen. Weder der Richterin noch den Klägern oder Verteidigern fiel dabei ein Fehler auf. Bei einer Schuldsprechung durch das Schwurgericht müssen in solch einem Fall mindestens sieben von neun Schöffen dafür stimmen. Erst im Nachhinein fiel der Fehler auf.