Mallorca Zeitung

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Wahlkampf im "Drogendorf" Son Banya auf Mallorca: Erinnerungen an den Irakkrieg werden wach

Der Bürgermeisterkandidat der rechtsextremen Partei Vox stattete der Siedlung einen Besuch ab

Das sogenannte Drogendorf Son Banya beim Ortstermin. Elena Vallés

Die Tristesse ist allgegenwärtig im sogenannten Drogendorf Son Banya, außerhalb von Palma. Die nicht asphaltierten Straßen sind voller Müll. Ein paar Männer sitzen vor den Baracken und unterhalten sich. Ein Junge mit gefärbten Haaren trägt einen Hahn an dessen Beinen durch die Straßen. Zahlreiche Autos, manchmal teure Modelle, fahren hier durch. Die Frauen sagen nichts. Ein älterer Herr, der krank ist, bittet die Journalistin der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" in sein Haus. Aber wer sprechen darf, entscheiden die Chefs der Siedlung. "Willst du Probleme? Den Besuch hier machen wir zusammen", warnen sie die Journalistin.

Einer, dem das Reden gestattet ist, heißt Juan Amaya. Sein Häuschen in der Siedlung hätte eigentlich 2021 abgerissen werden sollen, später wurde der Termin auf dieses Jahr verschoben. Passiert ist immer noch nichts. "Wir haben die ganzen Versprechen satt", sagt er. "Bei uns treten Fäkalien aus den Wasserleitungen, weil die Kanalisation verstopft ist. Wir können nicht duschen. Meine Kinder hatten neulich eine Bindehautentzündung und der Arzt sagte, dass diese wahrscheinlich von dem ganzen Dreck hier kommt."

Erinnerungen an den Irakkrieg

Hier in Son Banya hängen keine Wahlplakate. Aber an diesem Tag hat sich Fulgencio Coll, Bürgermeisterkandidat der rechtsextremen Vox in die Siedlung gewagt. Der ehemalige General zeigt sich schockiert von den Zuständen. Sie würden ihn an seinen Einsatz im Irakkrieg erinnern, erklärt er. "Hier gibt es 80 Familien, die in Zuständen leben, die nicht eines europäischen Landes würdig sind. Man hätte die ganze Siedlung vor drei Jahren abreißen müssen, so war der vereinbarte Plan. Aber passiert ist nichts."

Vertreter der Partei Vox mit Anwohnern in Son Banya. Elena Vallés

Die Anwohner verwenden in ihren Erzählungen häufig die Worte Verwahrlosung und Diskriminierung. "Sogar die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bekommen eine Wohnung", sagt einer. "Und wir haben hier immer noch Dächer aus Faserzement."

"Den Menschen den Rücken gekehrt"

Im Falle eines Wahlsiegs verspricht Coll, werde er dafür sorgen, dass die übriggebliebenen Einwohner des Dorfes eine neue Bleibe bekommen. "Wir werden der Siedlung ein Ende bereiten." Weder der derzeitige Bürgermeister José Hila noch Ministerpräsidentin Francina Armengol hätten ihre Versprechen hinsichtlich Son Banya gehalten. "Sie hatten den höchsten Etat aller Zeiten, aber diesen Menschen hier haben sie den Rücken gekehrt."

Juan Pedro Cortés, einer der Siedlungschefs, erklärt, dass nicht alle Anwohner einverstanden sind, dass das Dorf abgerissen wird. "Diejenigen, die nicht gehen wollen, müssen das für die jungen Generationen machen, um ihnen eine Zukunft zu garantieren. Man muss sie überzeugen." Kinder sieht man an diesem Morgen keine. Sie sind alle in der Schule. Dies zumindest funktioniere wirklich, erklären die Anwohner. "Es kommt ein Bus, der sie morgens hin- und am Nachmittag wieder zurückbringt."

Bei der Ortsbesichtigung bleibt unerwähnt, dass die derzeitige Regierung mehrmals versucht hat, Teile der Siedlung abzureißen und dabei auf großen Widerstand der Bewohner von Son Banya getroffen ist. Ziel ist, die Familien in andere Viertel von Palma umzusiedeln, zum Teil standen dafür Sozialwohnungen bereit. Mit großem Polizeiaufgebot konnten die Arbeiter im Dezember 2022 einen Teil der Baracken entfernen. Kurz darauf hatten die Einwohner von Son Banya diese zum Teil wieder aufgebaut. /pss

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