Der Effekt eines Trainerwechsels ist in der Fußballwelt umstritten. Die meisten Studien belegen, dass der langfristige Erfolg oft ausbleibt. Kurzfristig trifft aber nicht selten eine Besserung ein. Die Spieler müssen und wollen sich unter dem neuen Coach beweisen und strengen sich mehr an. Bei den Fans löst der Neubeginn oft Euphorie und Hoffnung auf bessere Zeiten aus. Und in den Medien verschwinden vorerst die negativen Schlagzeilen.

Fakt ist: Der mexikanische Trainer von Real Mallorca, Javier Aguirre, steht zur Debatte. Beim mauen 0:0 am Sonntag (3.12.) gegen Alavés gab es wieder keinen Heimsieg. Damit sind es nun sieben sieglose Spiele im Son Moix, seit September wartet der Club auf einen Dreier. Eine derartige Durststrecke gab es bislang nur einmal, vor 40 Jahren. Damals stieg das Team sang- und klanglos ab. Derzeit stehen die Mallorquiner trotz ihrer mageren Punkteausbeute von elf Zählern nach 15 Spielen noch über dem Strich, der die Abstiegsplätze markiert. „Das ist eine seltsame Situation. Meist gibt es einen Club, der abgeschlagen am Tabellenende steht. Dass es so viele Vereine mit einer Serie ohne Sieg sind, habe ich in Spanien noch nie erlebt“, bemerkte auch Javier Aguirre bei der Pressekonferenz vor dem mit 3:0 gewonnenen Pokalspiel am Mittwoch (6.12.) gegen Egüés in Navarra.

Aguirre war nicht begeistert über kritische Frage

Der Mexikaner zeigte sich bei der Gelegenheit wieder etwas lockerer. Vor der Partie gegen Alavés hatte er auf die Frage, ob es ein Endspiel sei, ungewohnt dünnhäutig reagiert. „Die Frage stinkt mir. Hätten Sie die auch meinem Vorgänger gestellt?“, antwortete Aguirre. Tatsächlich trainiert Luis García Plaza, der zuvor den Posten des Mexikaners innehatte, derzeit Alavés. Die Fans sind immer noch vom 51-jährigen Madrilenen angetan, der sein Amt mit unglaublich viel Leidenschaft ausfüllte, und begrüßten ihn mit Applaus. Für den Gastgeber Javier Aguirre hatten die Zuschauer hingegen nur Pfiffe übrig.

Dabei war die Frage nach der Zukunft des Trainers durchaus zulässig, wie dann auch die Leistung seiner Mannschaft besonders in der ersten Hälfte gegen Alavés zeigte. Nach dem Wechsel erspielten sich die Mallorquiner immerhin Torchancen, die der 7,5 Millionen Euro teure Neuzugang Cyle Larin aber kläglich vergab. Der Kanadier wartet weiterhin auf sein erstes Ligator.

Von den Vereinsverantwortlichen gibt es keine Stellungnahme zum Trainer. Sportdirektor Pablo Ortells erschrickt wie ein Reh vor dem Scheinwerfer und stellt sich nur alle Jubeljahre mal für eine Pressekonferenz zur Verfügung.

Real Mallorca wechselt eher selten den Trainer

In der jüngeren Vergangenheit bewies der Verein sehr viel Geduld in Krisenzeiten. Im Sommer 2020 wollte Real Mallorca trotz Abstieg an Vicente Moreno festhalten, der Trainer hatte aber andere Pläne. Im vergangenen Jahr zog der Club trotz zehn Niederlagen in zwölf Spielen erst die Reißleine, als die Mannschaft unter García Plaza auf einen Abstiegsplatz rutschte. Es scheint ein wenig, als ob dieses Kriterium auch dieses Mal den Ausschlag geben könnte.

In diesem Jahr stehen noch drei Spiele an, in denen es gegen die direkte Konkurrenz um den Abstieg geht. Am Samstag (9.12., 21 Uhr) empfängt Real Mallorca im dritten Heimspiel in Folge den FC Sevilla. Die Andalusier haben zwei Gesichter. In der Europa League sind sie amtierender Titelträger, in der Liga spielen sie trotz namhafter Akteure wie Ivan Rakitic oder Sergio Ramos grottig.

Die Woche darauf geht es auswärts gegen das noch sieglose Almería und danach zum Jahresabschluss gegen Osasuna. Eine wirkliche Winterpause, die sich für einen Trainerwechsel anbietet, gibt es in Spanien nicht.