Mallorca Zeitung

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Trainingslager auf Mallorca: Warum im kommenden Winter bis zu vier Bundesligisten pro Woche kommen könnten

Fussicamp-Leiter Michael Busse hat mit den Wintercamps auf der Insel eine neue Geschäftsidee, die auch auf Goodbye Deutschland vermarktet werden soll

Die Würzburger Kickers trainieren diese Woche auf Mallorca. Weil sich kein anderer Gegner für den Viertligisten fand, steht nur eine Testspiel an. | F.: BUSSE

Mainz 05, VfL Bochum, Hertha BSC, 1. FC Köln, Werder Bremen, VfB Stuttgart – es waren schon einige Fußball-Bundesligisten im Trainingslager auf Mallorca. Doch wirklich zum Hotspot im Winter entwickelte sich die Insel nicht. Das soll sich bald ändern. Wie die MZ exklusiv erfahren hat, will das Fussicamp in Cala Millor ab dem kommenden Winter im großen Stil Profiteams nach Mallorca locken. Leiter Michael Busse steht dafür schon im Kontakt mit Reiseanbietern und Hotels.

Mit im Boot ist der Spielerberater Toni Kierakowitz, Inhaber von Players Factory. Beide haben das Unternehmen Pro Football Mallorca gegründet (profootballmallorca.com). „Geplant sind drei neue Rasenplätze. Die Kosten tragen die Hotels“, sagt Busse, der seine Fußballschule seit 2016 betreibt. Die Felder sollen auf bereits bestehenden Driving Ranges, wie die Übungsplätze beim Golf heißen, angelegt werden. So soll auf dem Grün von Januar bis März der Fußball rollen und im Anschluss bis Oktober gegolft werden. Danach habe der Rasen kurz Zeit, um sich zu erholen. Mit ein paar Linien und zwei Toren ist es aber nicht getan. Anders als ein normaler Golfplatz ist die Driving Range ein ungepflegter Acker.

Würzburger Kickers waren gerade auf Mallorca

Bereits in den vergangenen Jahren hat Busse neben dem Fußballtraining für Kinder, die mit ihren Eltern im Mallorca-Urlaub sind, verstärkt auf Trainingslager für Herrenteams gesetzt. Die Insel weist allerdings zwei große Nachteile auf: Es gibt wenig gute Rasenplätze, und es mangelt an Testspielgegnern. Das haben nun auch die Würzburger Kickers zu spüren bekommen. Der Tabellenführer der Regionalliga Bayern (vierte Liga) hat sich in dieser Woche bei Busse eingebucht. Trainiert wird auf dem Kunstrasen des örtlichen Clubs in Cala d’Or. Wenngleich die Verantwortlichen den Zustand des Platzes loben, sind das für Profis keine optimalen Bedingungen.

Zudem mangelt es an Gegnern. Die Bundesligisten tummeln sich im Winter meist in der Türkei oder in Südspanien, wo sie gegeneinander spielen können. Auf Mallorca genießt man derzeit allein die Idylle. Erstligist Real Mallorca ist mit Liga und Pokal ausreichend ausgelastet. In Spanien kennt man schließlich keine Winterpause. Drittligist Atlético Baleares hat derzeit ganz andere Sorgen, ein Abstieg in die vierte Liga ist angesichts der aktuellen Lage eine reale Gefahr.

Deutsche Zweitligisten zeigen bereits Interesse

So war Michael Busse ziemlich verzweifelt auf der Suche, neben dem Sechstligisten Cala Millor einen zweiten Testspielgegner für die Würzburger zu finden. Das soll sich im kommenden Winter ändern. „Wir wollen pro Woche bis zu vier Mannschaften aus dem Profibereich im Südwesten der Insel haben“, sagt Busse. Zu den Profis zählt er Mannschaften der Ligen eins bis drei, die aus allen möglichen europäischen Ländern kommen können. „Einige deutsche Zweitligisten zeigen schon großes Interesse.“

Spontan auf die Insel kommt der deutsche Zweitliga-Spitzenreiter FC St. Pauli. Der Rasen in Hamburg ist nach Dauerregen derart aufgeweicht, dass das Team ab Montag (12.2.) fünf Tage lang auf dem Gelände von Real Mallorca trainiert.

Die Pläne von Busse sind nicht das erste derartige Trainingslagerprojekt auf der Insel. Bereits 2016 träumte Real Mallorca unter dem damaligen Chef Maheta Molango davon, aus dem Trainingszentrum Son Bibiloni das neue Wintermekka für die Bundesligisten machen zu können. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen, wohl auch wegen der hohen Kosten, die der Verein für die Miete aufrief. Pro Football hofft nun, über die vielen Kontakte, die Busse und Kierakowitz in die Fußballwelt haben, mehr Anklang zu finden. Zumal der Fussicamp-Auswanderer auch über die Sendung „Goodbye Deutschland“ werben kann.

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