Mallorca Zeitung

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Welche Wörter die Kandidaten für das Wort des Jahres in Spanien sind

Die Deutschen haben sich für "Krisenmodus" entschieden. Unser wöchentlicher Sprachkurs

Viele Russen glauben, dass manche Aufnahmen des Präsidenten Putin Deepfakes („ultrafalsos“) sind. | FOTO: EFE

Jeweils zum Jahresende wählen verschiedene Institutionen für die unterschiedlichen Sprachen ein „Wort des Jahres“ (la palabra del año). Die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat sich 2023 für „Krisenmodus“ (el modo crisis) entschieden. Für die spanische Sprache übernimmt diese Auswahl die Fundéu-Stiftung, in der die Königliche Sprachakademie (RAE) und die Nachrichtenagentur EFE fruchtbar zusammenarbeiten.

Zunächst wird immer eine Shortlist (una preselección) von zwölf Begriffen veröffentlicht, die sich fast wie ein sprachlicher Jahresrückblick liest. Welches von den zwölf Wörtern schließlich wirklich palabra del año wird, gibt Fundéu immer erst ein paar Tage später bekannt. Das liegt auch daran, dass Spanisch in so unterschiedlichen Gesellschaften wie der spanischen, der kubanischen, der peruanischen und der chilenischen gesprochen wird, sodass ein Wort des Jahres einfach viel zu kurz greift und meist mehr über die Vorauswahl gesprochen wird.

Der Favorit

Bei der nun veröffentlichten alphabetisch geordneten Zwölferliste erscheint uns der Ausdruck ultrafalso besonders erwähnenswert. Er bedeutet wörtlich übersetzt so etwas wie „ultrafalsch“ oder „extrem falsch“. Gemeint ist etwas, das über das normale Ausmaß hinweg verfälscht wurde. Das Wort ultrafalso ist somit die spanische Übersetzung für den englischen Begriff deep fake, der als Anglizismus im Deutschen inzwischen längst einen Eintrag im Duden hat – zusammen und groß geschrieben als „Deepfake“. Mit der raschen und möglichst stilvollen Übersetzung oder Übertragung fremdsprachiger Ausdrücke in die spanische Sprache versucht die Fundéu-Stiftung die Häufung von Anglizismen im Spanischen möglichst zu vermeiden.

Ein ultrafalso ist also mehr als nur eine als „Fake“ bekannte Lüge oder Falschmeldung. Meist handelt es sich um mit inteligencia artificial (künstlicher Intelligenz) erstellte Ton- oder Bildaufnahmen (audios o vídeos), in denen Menschen etwas sagen oder tun, das sie nie gesagt oder getan haben. Andererseits wird es immer häufiger Politiker geben, denen per Videoaufnahmen Korruption nachgewiesen wird und die sich damit herausreden, dass es sich um ultrafalsos handele.

Die zwölf Kandidaten

  • la amnistía: Amnestie (in Spanien vor allem wegen der Amnestie für die katalanischen Separatisten ein Thema)
  • ecosilencio: spanischer Ausdruck für den Anglizismus „greenhushing“ (also für das Verschweigen von oder die Intransparenz bei Klimaschutzmaßnahmen) 
  • el euríbor: Der „Euribor“ (internationaler Leitzinssatz für Interbankgeschäfte) ist wegen der Anti-Inflationsmaßnahmen 2023 stark gestiegen.
  • FANI: Früher sagte man „objeto volador no identificado“ oder kurz „ovni“ für unbekanntes Flugobjekt oder Ufo. Jetzt spricht man allgemeiner von „fenómeno anómalo no identificado (FANI)“, also „unerklärtes abnormales Phänomen“.
  • el fediverso: Der Verbund („la federación“) sozialer Netzwerke („redes sociales“) zum gemeinsamen Universum („el universo“) bildet ein „fediverso“ (engl. „fediverse“).
  • el fentanilo: Fentanyl wird seit Jahrzehnten als synthetisches Opioid in der Schmerzbekämpfung eingesetzt. (In den vergangenen Jahren war es als illegal gehandelte Droge eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen in den USA und anderen Ländern.)
  • la guerra: Krieg
  • humanitario: humanitär
  • el macroincendio: Mega-Brände, riesige Waldbrände (Im zurückliegenden Jahr wurde über die neuartige Dimension der Waldbrände in Kanada, Griechenland oder Teneriffa gesprochen.)
  • la polarización: Polarisierung
  • el seísmo: Erdbeben
  • el ultrafalso: Deepfake, entsprechend auch das Verb „ultrafalsear“ (deepfaken) und das Adjektiv „ultrafalseado“ (durch Einsatz von künstlicher Intelligenz gefälscht) 

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