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Mallorca Zeitung

Kaum noch Hotels auf Mallorca wollen Seniorenreisen in der Nebensaison

Das spanische Programm für Rentner, Imserso, lohnt sich für die Hoteliers aufgrund der niedrigen Einnahmen und der gleichzeitig stark gestiegenen Kosten nicht

Rentner im Hotel Samos in Magaluf bei einer Imserso-Reise im März 2022. Nele Bendgens

Die staatlich subventionierten spanischen Rentnerreisen in der Nebensaison, das sogenannte Imserso-Programm, dürfte in diesem Jahr auf Mallorca nur äußerst ausgedünnt stattfinden. Vier Tage vor dem Beginn der Vermarktung der Saison 2022/2023 am Dienstag (20.9.) ist noch nicht sicher, welche Hotels auf Mallorca an dem Programm teilnehmen werden.

Einige Hotels, die bisher immer dabei waren, sind abgesprungen, andere haben sich dafür entschieden, nur noch die Hälfte der ursprünglichen Gästebetten für die Senioren zur Verfügung zu stellen und den Rest in der Nebensaison auf eigene Faust zu vermarkten. Die Kette Hoteles Globales wird diese Saison gar nicht bei Imserso mitmachen. Das war mit die Hotelkette auf Mallorca, die bislang am meisten mit dem Programm zusammengearbeitet hatte.

Der Grund: Die Unternehmer kommen wegen der niedrigen Preise, die die Rentner für ihre Aufenthalte zahlen, nicht mehr ohne größere Verluste aus. In diesem Jahr ist die Situation wegen der hohen Inflation schwieriger denn je.

Kaum noch Gästebetten für Imserso an der Playa de Palma

Jordi Cabrer, Direktor des Hotels Manaus an der Playa de Palma, schätzt, dass statt 30 oder 40 Hotels wie in den Vorjahren in diesem Herbst und Winter nur noch drei oder vier Häuser an der Playa de Palma bereit seien, die Senioren günstig urlauben zu lassen. Das Manaus, einst ein Klassiker der Imserso-Reisen, wurde bereits 2021-22 aus dem Programm genommen.

"Für 23 Euro inklusive Mehrwertsteuer ist es praktisch unmöglich, Vollpension anzubieten", sagt Cabrer. Hinzu kämen Gäste, die "sehr anspruchsvoll" seien. "Früher haben wir einen Euro für das WLAN im Hotel verlangt, mussten es dann aber kostenlos zur Verfügung stellen", erzählt er. Gäste hätten sich beschwert. Gleichzeitig "kaufen sie Ausflüge, für die sie 40 oder 50 Euro für einen Tag bezahlen, und im Hotel können sie nicht zwei oder drei Euro mehr bezahlen", ärgert sich der Hotelier.

Auch in Magaluf gibt es weniger Angebot

In Magaluf, dem anderen klassischen Reiseziel für Imserso-Urlauber, ist die Zurückhaltung der Hoteliers ebenfalls zu spüren. Es sieht momentan so aus, als dass nur drei Hotels teilnehmen werden, zwei einer Kette und das Hotel Samos. Der Direktor, der Augsburger Christoph Gräwert, war zunächst unsicher, ob er überhaupt wieder teilnehmen will und hat nun beschlossen, nur noch halb so viele Imserso-Reisende aufzunehmen wie bisher. "Ich habe die Anzahl der Plätze drastisch reduziert, weil es nicht machbar ist, es ist ruinös", erklärt der Hotelier. Für die nächste Saison erwäge er erneut, gar nicht mehr bei Imserso mitzumachen.

Gräwert wird in der zweiten Oktoberhälfte die ersten Imserso-Touristen empfangen und dies mit der Eigenvermarktung des Hotels kombinieren. "Bei Imserso geht es nie darum, Geld zu verdienen, sondern nur darum, bei Null herauszukommen", sagt er.

Zehn Tage für 308 Euro inklusive Flug

Mundiplan, das Konsortium aus verschiedenen Unternehmen, das den Zuschlag für Reisen auf die Balearen erhalten hat und 180.000 Plätze auf den Inseln anbietet, hat nach Angaben des Präsidenten des Verbandes der Reisebüros der Balearen, Xisco Mulet, bisher nicht die Liste der Hotels auf den Balearen veröffentlicht. Die angebotenen Pauschalreisen auf die Balearen kosten 308,37 Euro bei einem Aufenthalt von zehn Tagen (neun Nächten) und beinhalten Transport, Unterkunft im Doppelzimmer und Vollpension. Acht Tage (sieben Nächte) kosten 248,96 Euro.

Das Imserso-Programm ist eine seit 1978 existierende Initiative der spanischen Regierung, um zum einen Senioren günstige Reisen im eigenen Land zu ermöglichen und zum anderen den Tourismus in den klassischen Urlaubergebieten des Landes in der Nebensaison anzukurbeln.

Jordi Cabrer an der Playa de Palma spricht sich unterdessen für eine Modernisierung des Imserso-Programms aus. Man könne überlegen, auf Halbpension umzustellen, wenn die Kalkulation nicht mehr aufgehe. Cabrer sähe es außerdem lieber, wenn die Imserso-Urlauber statt im Januar oder Februar erst später kämen. Dann seien schon mehr andere Gäste da, die ersten Wochen nach Eröffnung könnten so besser amortisiert werden. /jk

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