Was wird anders bei der Touristensteuer, wenn nicht mehr die Linksregierung auf Mallorca an der Macht ist? Die Antwort gibt die diesjährige Sommersaison 2024 auf den Balearen. Die Abgabe, die alternativ auch "Ecotasa", Übernachtungssteuer, Bettensteuer, Kurtaxe oder Tourismussteuer genannt wird, bleibt nicht nur bestehen, auch an den Tarifen ändert sich nichts. Aber dennoch geht es nicht weiter wie bisher, wie unser aktualisierter Gesamtüberblick darüber zeigt, was alles für die Urlaubssaison 2024 zu beachten ist - ob beim Absteigen im Hotel, in der Ferienwohnung oder in der Wanderherberge.

Die seit dem Jahr 2016 bestehende Touristensteuer müssen fast alle Urlauber auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln zahlen, die eine touristische Unterkunft nutzen. Es gibt unterschiedliche Tarife, einen Rechner zur Ermittlung des fälligen Betrags benötigt man in der Regel aber nicht.

Der offizielle Name lautet "impuesto del turismo sostenible", also wörtlich Steuer für nachhaltigen Tourismus. Denn mit den Einnahmen sollen in erster Linie Umweltprojekte finanziert werden, so die Ursprungsidee. Der Verwendungszweck wurde aber immer wieder angepasst und erweitert, zuletzt auch infolge des Regierungswechsels im vergangenen Jahr. 2023 wurden rund 138 Millionen Euro eingenommen.

Wie hoch ist die Touristensteuer auf Mallorca im Hotel und anderswo?

Sollte die Touristensteuer in der Nebensaison ausgesetzt werden? Der von den Konservativen während der vergangenen Legislaturperiode vorgebrachte Vorschlag verlief im Sande, es bleibt alles beim Alten: Es gibt aber weiterhin zwei unterschiedliche Tarife für Haupt- und Nebensaison, also für den Zeitraum Mai bis Oktober sowie November bis April. In den Wintermonaten ist der Mallorca-Urlaub also auch hinsichtlich der Touristensteuer günstiger, sie beträgt dann nur ein Viertel des im Sommer fälligen Tarifs.

Der Tarif wird berechnet in Abhängigkeit von der Art der Unterkunft: Während in Luxushotels 4 Euro Bettensteuer pro Person und Nacht fällig werden, ist es etwa in Wanderhütten nur 1 Euro pro Tag und Person (siehe Liste). Mit folgenden Informationen können Sie auch ohne Rechner schnell die für Sie fällige Touristensteuer ermitteln:

  • Fünf-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels: 4 Euro (Nebensaison 1 Euro)
  • Vier-Sterne- und Drei-Sterne-Superior-Hotels: 3 Euro (Nebensaison 0,75 Euro)
  • Ein- bis Drei-Sterne-Hotels: 2 Euro (Nebensaison 0,50 Euro)
  • Ferienapartments (vier Schlüssel): 4 Euro (Nebensaison 1 Euro)
  • Ferienapartments (drei Schlüssel Superior): 3 Euro (Nebensaison: 0,75 Euro)
  • Ferienapartments (ein bis drei Schlüssel): 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • An Urlauber vermietete Ferienhäuser und Fincas: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • Landhotels: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)
  • Hostels, Pensionen und Campingplätze: 1 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro)
  • Herbergen: 1 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro)
  • Kreuzfahrtschiffe: 2 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro)

jeweils zzgl. 10 Prozent Mehrwertsteuer (IVA)

Ein Rechenbeispiel könnte so ausfallen: Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter 16 Jahren zahlt zwischen 56 und 84 Euro für eine Woche Mallorca in der Hauptsaison.

Neben dem Rabatt für die Nebensaison (November bis einschließlich April) wird ab der neunten Übernachtung in derselben Unterkunft ein Nachlass von 50 Prozent gewährt. Auf diese offiziell mitgeteilten Preise muss dann noch eine Mehrwertsteuer von zehn Prozent aufgeschlagen werden. Kinder bis einschließlich 15 Jahren bleiben von der Abgabe befreit.

Müssen alle Mallorca-Urlauber die Touristensteuer zahlen?

Kinder unter 16 Jahren, Reisende über staatliche Seniorenprogramme (Imserso) und Angehörige, die Krankenbesuche abstatten, sind von der Gebühr weiterhin befreit.

Was ist mit den Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Palma de Mallorca?

Fällig wird eine Abgabe von 2 Euro pro Tag und Person (Nebensaison 0,50 Euro). Ausgenommen von der Abgabe sind allerdings Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen, die ihren Basis-Hafen in Palma haben.

Und die Ferienvermietung?

Theoretisch müssen alle Urlauber die Abgabe zahlen, auch wenn sie private Ferienwohnungen mieten. Allerdings sind so einige dieser Ferienwohnungen offiziell nicht als solche angemeldet. Die Balearen-Regierung kontrolliert die schwarz angebotenen Ferienwohnungen, wenn auch mit durchwachsenem Erfolg.

Die Touristensteuer wird in der Unterkunft gezahlt. Foto: DM/Archiv

Wo zahlen Mallorca-Urlauber die Abgabe?

Urlauber zahlen bei Ankunft im Hotel an der Hotelrezeption. Die Reiseveranstalter weisen beim Buchen auf die Gebühr hin, bezahlt wird sie aber erst im Hotel vor Ort. Die Regionalpartei Més per Mallorca startete vor einiger Zeit zwar eine Initiative, um zu erreichen, dass die Abgabe ähnlich wie eine Flughafengebühr eingezogen wird, kam damit allerdings nicht weit.

Was passiert mit dem Geld?

Über die Verwendung der Einnahmen entscheidet alljährlich eine Kommission, die das balearische Tourismusministerium einberuft, und zwar auf Basis von Vorschlägen, die die verschiedenen politischen Institutionen einreichen. Die Kommission bilden Vertreter der Landesregierung, des Inselrats, der Gemeinden sowie weiterer Institutionen und Vereinigungen. Auch die Umweltverbände sind vertreten, zeigten sich aber selten zufrieden mit der Liste der Projekte, die der Kommission vorgelegt wurde.

Bei der letzten Tagung der Kommission Ende 2023 wurde eine Reihe von Projekten zurückgestellt. Die konservative Landesregierung begründete dies damit, dass diese nicht genügend ausgearbeitet gewesen seien. Deswegen wurde eine zweite, außerordentliche Ausschreibung für den Zeitraum vom 15. Februar bis 15. März 2024 beschlossen. Sie umfasst 70 Millionen Euro der Gesamteinnahmen 2023 in Höhe von 138 Millionen Euro aus dem Jahr 2023. Bis feststeht, wofür diese Einnahmen verwendet werden, ist also noch Geduld gefragt.

Verwenden werden sollen die Gelder nach Definition der derzeitigen konservativen Landesregierung in de Bereichen Wasserwirtschaft, Bildung, Nachhaltigkeit sowie die Modernisierung von die Jahre gekommenen Tourismusgebieten. Die linke Vorgängerregierung hatte die möglichen Verwendungszwecke zuletzt deutlich breiter definiert, so etwa in der Corona-Zeit auch den Bereich Gesundheit berücksichtigt oder zuletzt den sozialen Wohnungsbau - die Wohnungsnot als Kollateralschaden unter anderem der Ferienvermietung.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 95 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 645 Millionen eingereicht. Die Kommission bewilligte davon 27 Projekte, auf die Einnahmen in Höhe von 138 Millionen Euro verteilt werden.

Soll bei der Orientierung helfen: Eine der 22 am Strand Es Trenc und in den Salinen aufgestellten Tafeln. Foto: CAIB

Wie verläuft die Debatte über die Touristensteuer?

Die Konservativen hatten sich bei der Einführung vor acht Jahren gegen die Steuer positioniert, behielten diese aber letztendlich beim Regierungswechsel 2023 unverändert bei, wobei sie allerdings den Verwendungszweck neu definieren. Eine Rolle spielt sicherlich auch, dass man ungern auf die Einnahmen verzichten möchte.

Ein zentrales Argument gegen die Abgabe war in der Anfangsphase der Touristensteuer vor allem die Wettbewerbssituation. Die Balearen würden im Vergleich mit Konkurrenzdestinationen zu teuer, hieß es. Doch der Ansturm auf Mallorca ließ nicht nach - im Gegenteil. Zudem führten inzwischen so einige Mitbewerber ebenfalls eine vergleichbare Abgabe ein.

An Bedeutung gewann unter der Vorgängerregierung auch das Argument, dass zu wenig Projekte aus dem Bereich Tourismus finanziert würden und die Steuer als Allzweckwaffe gegen Haushaltslöcher Verwendung finde. Die Umweltschützer wiederum kritisierten regelmäßig, dass zu wenige Projekte im Bereich Nachhaltigkeit vertreten seien.

Zuletzt war die Debatte von Vorstößen der Regionalpartei Més per Mallorca und der Linkspartei Podemos bestimmt, die Abgabe im Sommer zu erhöhen. Eine Rolle spielten dabei auch Fotos und Videos von überfüllten touristischen Orten sowie die nach Corona wieder entfachte Overtourism-Debatte. Die Abgabe wurde aber letztendlich von der Linksregierung nicht verändert, und auch die jetzige konservative Regierung hat die Tarifstruktur unverändert beibehalten.

Wo erhalte ich weitere Informationen?

Das balearische Tourismusministerium betreibt eine Website auf Spanisch, Katalanisch, Deutsch und Englisch, die eigentlich über die "Steuer für nachhaltigen Tourismus" und die finanzierten Projekte informieren soll (www.illessostenibles.travel). Allerdings wird die Seite schon seit Jahren nicht gepflegt und ist veraltet.

Der neue Tourismusminister Jaume Bauzà hat im Interview mit der MZ angekündigt, mehr Transparenz walten zu lassen und die Seite zu aktualisieren. Sobald die mit den Einnahmen von 2023 finanzierten Projekte feststehen, wird die MZ eine komplette Liste veröffentlichen.