Gärten auf Mallorca: Diese Schweizerin engagiert sich für Permakultur in Felanitx

Die Erde und Pflanzen werden auf einer Finca in s'Horta gekonnt geschützt. Garten- und Landbesitzer können bei ihr lernen, wie das geht

Scarlet Allenspach pflanzt Gewächse, die sich gegenseitig unterstützen. Hier ein Kiwi-Kletterer am Stamm eines Mandelbaums.

Scarlet Allenspach pflanzt Gewächse, die sich gegenseitig unterstützen. Hier ein Kiwi-Kletterer am Stamm eines Mandelbaums. / Nele Bendgens

Der Himmel ist blau, es ist frühjahrswarm, und auf der Insel wartet man auf weiteren Regen. Grund genug, die Finca Son Selva nahe s’Horta (Gemeinde Felanitx) zu besuchen. Die Züricherin Scarlet Allenspach praktiziert hier Permakultur (aus dem Englischen: "permanent agriculture") und plant einen „Wald aus Kulturpflanzen“. Vorbild für das Design sind natürliche Ökosysteme, die im biologischen Anbau gedeihen. Sie erklärt der MZ, wie ökologischer Anbau auf der Insel dergestalt funktioniert, dass sich der Boden regeneriert und die Pflanzen gleichzeitig weniger Wasser brauchen als in den üblichen privaten Gärten oder in der konventionellen Landwirtschaft.

„Es ist wichtig, die Alternativen zu den herkömmlichen Anbaumethoden auszubauen“, sagt die 36-Jährige, der gerade mal 20.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Allenspach hat sich als Industriedesignerin um nachhaltiges Bauen gekümmert und eine Ausbildung für Permakultur hinter sich, die sie befähigt, Teilnehmer von Workshops auszubilden. Seit vorigem Jahr ist sie Besitzerin von Son Selva. Der Boden hier hat unter der Erosion derart gelitten, dass nur noch wenig Erde den felsigen Untergrund bedeckt.

In Afrika bereits erfolgreich

Damit der Regen nicht noch weiter Boden auf dem abschüssigen Acker mit sich reißt, wurde das Gelände, wie es die Permakultur empfiehlt, durch sogenannte Keylines (Schlüssellinien) ohne den Einsatz von Maschinen terrassiert. Diese Methode sei bereits erfolgreich in Afrika praktiziert worden, sagt die Fincabesitzerin. Ihr knappes Budget hätte ohnehin für aufwendige Erdarbeiten nicht ausgereicht. Auf Son Selva folgen diese Linien den Pflanzreihen der alten Mandelbäume, hier wurden Steine zu niedrigen Mauern aufeinandergestapelt. „Es sind keine Dämme, sie bremsen das Wasser nur aus und führen es zu den Pflanzenwurzeln“, so Allenspach.

Das Regenwasser wird auch den alten Mandelbäumen, hier auf der Finca „Grannies“ genannt, guttun. Die alten Sorten liefern keine profitablen Ernten, dienen jedoch als Kletterhilfen für Jungpflanzen, wie beispielsweise den Kiwisträuchern. „Pflanzenfreundschaften sollen sich gegenseitig beim Wachsen unterstützen“, sagt Allenspach. So pflanzte sie neben dem Mandelbaum und dem Kiwistrauch eine kleine Gruppe Ackerbohnen, daneben locken die Blüten des Affodill Insekten an. Künftig sollen Gewächse verschiedener Größe hier gedeihen: hohe Bäume, wie beispielsweise Pappeln, mittlere in der Höhe von Mandelbäumen, Sträucher als Unterholz sowie Kräuter als Bodendecker. Alle gemeinsam sollen ganzjährig schadstofffreie und gesunde Früchte liefern.

Da sind zum einen die Einheimischen, wie Johannisbrot- und Erdbeerbäume, Eichen, Zitrusbäume oder auch die Echte Pinie, die Kerne liefert. Allenspach experimentiert aber auch mit Gewächsen, die bisher in wärmeren Zonen zu Hause waren, wie zum Beispiel einem Guavenbaum, der bereits Früchte trägt, oder einem Mangobaum, der noch zeigen muss, ob ihm das Inselklima gefällt. Oder aber die Korkeiche, die dafür bekannt ist, lange Dürrezeiten aushalten zu können.

Holzkohle fördert Wachstum, sie wird aus trockenen Ästen gewonnen.

Holzkohle fördert Wachstum, sie wird aus trockenen Ästen gewonnen. / Nele Bendgens

Als Gemeinschaftswerk geplant

Gute Startschancen für alle garantieren in den Fels gebohrte Pflanzgruben, die mit Kompost sowie Holzkohle gefüllt werden. Die auch biochar genannte Materie wird zwei Mal im Jahr aus trockenen Ästen hergestellt. Sie liefert auch Nährstoffe für die Gemüsebeete, die Allenspach derzeit anlegt. Wobei sie hier nicht mit dem Spaten unterwegs ist. „In der Permakultur gräbt man nicht um – die Erde zu bewegen, würde den Mikroorganismen das Dach über dem Kopf wegreißen“, sagt die Schweizerin. Sie hat auf die Erde ein riesiges Stück Pappe gelegt, für die Wege Steine daraufgeschichtet und die Mitte dick mit Kompost aufgefüllt. Vor der Aussaat des Gemüses im Frühjahr muss noch ein Zaun gegen gefräßige Nager gezogen werden.

Fertig zum Aussäen, das Bett aus Kompost im Gemüsebeet.

Fertig zum Aussäen, das Bett aus Kompost im Gemüsebeet. / Nele Bendgens

An den Arbeiten beteiligen sich an Permakultur interessierte freiwillige Helfer, aber auch befreundete Nachbarn. Der Anbau ist als Gemeinschaftsarbeit geplant, damit die Finca in Zukunft mehrere Haushalte mit Gemüse und Früchten aus Bioanbau versorgen kann. Ziel der engagierten jungen Frau ist es jedoch, dass ihr Projekt nicht nur innerhalb der Mauern von Son Selva praktiziert wird. Die Felder und Beete sollen zu einem Vorzeigeprojekt werden. Hier sollen künftig Workshops stattfinden, um die Permakultur per learning by doing weiterzugeben.

Und das ist noch nicht alles. Allenspach will mit Permakultur private Inselgärten anlegen. Vier Aufträge hat sie bereits. Damit ihre Kunden sehen, dass auch blühende Wiesen möglich sind, hat sie ein Beet für Wiesenblumen vorbereitet, die sich nach einem Jahr selbst aussäen.

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