Freispruch für Megapark-Besitzer Cursach auf Mallorca: Am Ende flossen Tränen

Der Prozess gegen Bartolomé Cursach ist faktisch beendet. Der Besitzer des Megaparks und 21 weitere Angeklagte sind freigesprochen.

Nun soll gegen Zeugen der Anklage ermittelt werden

Die freigesprochenen Bartolomé Cursach und sein Vize Bartolomé Sbert umarmen sich am Mittwoch (30.11.) vor Gericht. | FOTO: TSJB

Die freigesprochenen Bartolomé Cursach und sein Vize Bartolomé Sbert umarmen sich am Mittwoch (30.11.) vor Gericht. | FOTO: TSJB / P. Schirmer, M. Ollés

Marcos Ollés

Am Ende des Schlussplädoyers rollten dem Staatsanwalt Tomás Herranz am Mittwoch (30.11.) die Tränen über das Gesicht. „Dieses Plädoyer dient nicht nur dazu, vor dieser Kammer das Zurückziehen aller Anklagepunkte zu rechtfertigen. Es geht auch darum, vor den Angeklagten anzuerkennen, dass ihnen Unrecht widerfahren ist.“

Damit machte er offiziell, was eigentlich schon am Montag feststand: Freispruch für Megapark-Besitzer Bartolomé Cursach und fast alle anderen Angeklagten des Prozesses. Nachdem in den vergangenen Tagen erst die Staatsanwaltschaft und später auch die Nebenklagen sukzessive ihre Anklagepunkte zurückgezogen hatten, bleiben am Ende nur noch zwei von ursprünglich 23 Angeklagten übrig: die beiden Ortspolizisten Gabriel Mayol und Josep Mayans. Für sie fordert die Nebenklage aus dem Umfeld der Bar Sa Trobada jeweils zwei Jahre Gefängnis sowie 526.000 Euro Schadenersatz. Das Urteil wird spätestens am 14. Dezember erwartet.

Ende eines neunjährigen Justizkrimis

Es ist das vorläufige Ende eines neunjährigen Justizkrimis. Dabei ging es um ein mutmaßliches Geflecht aus unternehmerischer, politischer und polizeilicher Korruption, in dessen Zentrum Cursach stehen sollte. Daneben waren Mitarbeiter des Nachtclub-Unternehmers und mehrere Polizeibeamte angeklagt. Die Straftaten, die ihnen zu Last gelegt wurden: kriminelle Vereinigung, Amtsmissbrauch, Bestechung, Nötigung, Drogenhandel, Unterlassung der Strafverfolgung, Urkundenfälschung, Geheimnisverrat, Bedrohung und Amtsanmaßung.

Der Prozess begann im Juni, die Zeugenbefragungen folgten Mitte Oktober. Die Vorwürfe konnten nicht erhärtet werden. Manche Zeugen erklärten, sich nicht erinnern zu können. Viele andere gaben an, ihre Aussagen während der Ermittlungen seien vom ehemaligen Richter Manuel Penalva und Ex-Staatsanwalt Miguel Ángel Subirán verfälscht, teilweise auch erpresst worden. Die Zeugenaussagen, die die Angeklagten belasteten, wurden von der Staatsanwaltschaft als „nutzlos“ abgewiesen. In seinem Schlussplädoyer begründete Herranz Zeuge für Zeuge, warum er an ihren Aussagen zweifelte.

Ermittlungen gegen vier Zeugen

Und nicht nur das: Die Staatsanwaltschaft kündigte bereits am Dienstag an, dass man gegen mindestens vier von ihnen Ermittlungen wegen Falschaussage anstrengen wolle. Vor Gericht beantragten Tomás Herranz und sein Vorgesetzter Juan Carrau, dass ein Ermittlungsrichter 25 Personen befragen soll. Bei der Verhandlung hätten sich deutliche Anzeichen dafür ergeben, dass in der Ermittlungsphase mit unzulässigen Methoden Druck auf Zeugen und Beschuldigte ausgeübt worden sei. So habe es unter anderem ungerechtfertigte Einweisungen in die U-Haft gegeben. Wegen dieser Indizien fordert die Staatsanwaltschaft nun noch einmal zusätzliche Ermittlungen gegen den damals zuständigen Untersuchungsrichter Manuel Penalva und den Ex-Staatsanwalt Miguel Ángel Subirán.

Penalva, Subirán sowie vier Beamten der Nationalpolizei soll in den kommenden Monaten vor dem Obersten Gerichtshof der Balearen ohnehin der Prozess gemacht werden. Ihnen werden Falschaussage, Drohung, Nötigung, Behinderung der Justiz, Unterlassung der Pflicht zur Verhinderung von Straftaten und Weitergabe von Geheimnissen vorgeworfen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft könnten weitere Vergehen wie Freiheitsberaubung hinzukommen.

Glauben an die Justiz wiederhergestellt

Am Mittwochmittag, kurz bevor Richterin Samantha Romero die Beweisaufnahme für beendet erklärte, durften noch einmal diejenigen Angeklagten aussagen, die es wollten. Fast alle der Männer, die Platz an dem kleinen Tisch nahmen, erklärten, der Prozess habe ihren Glauben an die Justiz wiederhergestellt. Einige von ihnen berichteten, wie die vergangenen Jahre an ihnen gezehrt hätten. Ihr Ruf sei zerstört worden, sie seien finanziell ruiniert worden, Ehen seien durch die Vorwürfe zerrüttet worden. Bei vielen von ihnen flossen ebenfalls Tränen. Als Letzter trat Cursachs ehemalige rechte Hand, Tolo Sbert, an das Pult. Er sagte, er habe wegen der Ermittlungen kurz vor dem Selbstmord gestanden.

Im Namen aller Angeklagten bedankte sich Sbert beim Staatsanwalt. Er wisse aber: „Für die Menschen da draußen werden wir für immer die Mafia sein.“ Als er an seinen Platz zurückkehrte, stand Cursach auf. Die beiden Männer umarmten sich.

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