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Mallorca Zeitung

Warum die Freude über die gute Saison auf Mallorca bei den Hoteliers jetzt für Ärger sorgt

Aussagen von Melià-Chef Gabriel Escarrer sorgen für Entrüstung

Viele Urlauber: Ein alltägliches Bild in diesem Sommer auf Mallorca. G. Bosch

Gabriel Escarrer schwelgte vor einigen Tagen in Euphorie. Der Chef von Melià, einer der größten Hotelketten Mallorcas, erklärte, man habe eine "der besten Saisons der Geschichte" hinter sich, der Sommer sei wahrlich "erinnerungswürdig". Das ist nicht weiter überraschend, denn tatsächlich kamen unheimlich viele Urlauber nach Mallorca, die Hotels waren monatelang quasi ausgebucht.

Doch nun sorgen diese Aussagen für Ärger - und zwar nicht bei den Tourismuskirtikern - sondern bei anderen Hoteliers. Die Aussagen des Melià-Chefs seien "verantwortungslos", heißt es. Zudem würden sie nicht die Realität vieler Hoteliers widerspiegeln, die sich zwar über gut gebuchte Häuser freuen durften, aber auch mit drastisch gestiegenen Kosten zu kämpfen hatten.

Neuer Tarifvertrag wird ausgehandelt

Noch etwas besorgt die Vertreter der mallorquinischen Gästehäuser: Anfang kommenden Jahres wird ein neuer Tarifvertrag ausgehandelt, der neben den Mitarbeitern der Hotels auch die der Gastronomie und des Nachtlebens umfasst. "Escarrer hat den Gewerkschaften alle Waffen in die Hand gegeben, um völlig unrealistische Gehaltserhöhungen zu fordern", lamentiert ein Sprecher. "Die Vereinigung der großen Hotelketten erscheint manchmal wie ein zweiköpfiges Monster, weil manche erzählen, worauf sie gerade Lust haben, während die Verbandsleitung eine viel vernünftigere Linie fährt."

Ein anderer Vertreter der Branche erklärte sich die Aussagen Escarrers eher mit einer persönlichen Motivation des mächtigen Unternehmers. Melià sei schließlich börsennotiert, so der Hotelier, das sei der Grund für den herausposaunten Optimismus.

Der "Mut" von Escarrer

Der Hoteliersverband Fehm wollte die Saisonanalyse Escarrers nicht kommentieren, erinnerte aber daran, dass die Hotels auf Mallorca durchaus eine unterschiedliche Wahrnehmung der Saison haben könnten. Man habe zwar hinsichtlich der Buchungen das Niveau vor der Pandemie erreicht. Das heiße aber nicht, dass die Gewinne deshalb für alle gleich gut ausgefallen seien.

Vom Verband der Nachtclubs hieß es, man habe finanziell nicht so sehr von der Saison profitiert wie die Gästehäuser. Ein Sprecher erklärte aber, er bewundere den "Mut Escarrers, in aller Öffentlichkeit zuzugeben, dass es Hoteliers gibt, die viel Geld verdienen." /pss

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