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Mallorca hat ein Imageproblem – Lehren eines Inselbewohners von einem Besuch in Österreich

MZ-Kolumnist Matías Vallés war kürzlich in Wien. Und war schockiert über die Vergleiche, die mit der Insel getätigt werden

Das Skigebiet Ischgl: Malle in den Bergen.

Das Skigebiet Ischgl: Malle in den Bergen. / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Traktoren verstopfen die Straßen, weil sie nicht durch die mit Solarzellen bedeckten Felder fahren können. Eines der landwirtschaftlichen Fahrzeuge hatte ein Transparent mit dem expliziten Slogan „Menjareu turistes“ – ihr werdet euch von Urlaubern ernähren. Der Traktorfahrer ist nicht im Unrecht.

Den Beweis konnte ich während meines jährlichen Wochenendes in Wien antreten. Nach einem Spaziergang auf der Ringstraße sah ich im TV das Bild einer Menschenmenge mit der Schlagzeile „Malle in den Bergen“. Wie schön, bis man den beleidigenden Untertitel bemerkt: „Erschütterndes Video zeigt Chaos auf den Pisten von Ischgl“, dem aus dem Ruder gelaufenen Skigebiet, das als das österreichische Ibiza bezeichnet wird. Von dort kam Covid Anfang 2020 auf unsere Insel.

Mit Billigtourismus in Verbindung gebracht

Es ist klar, dass Mallorca in Österreich und Deutschland ein Imageproblem hat. Für eine Minute, die im Fernsehen wie eine Ewigkeit wirkt, wird die Insel nicht nur mit unerwünschter Überfüllung, sondern auch mit Billigtourismus in Verbindung gebracht. Denn der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass „viele nur nach Ischgl kommen, um sich zu betrinken, das ist Mallorca in den Bergen“.

Glücklicherweise hat Mallorcas Inselrat den Guru Andy Stalman, den Meister des Branding oder wie auch immer man es nennen mag, engagiert, um das schlechte Image der Insel zu verbessern. Seine Lehren sind zu unbezahlbaren Sätzen verdichtet, wie zum Beispiel: „Der Mensch ist die einzige Spezies, die in der Lage ist, Wissen zu teilen.“ Oder: „Wenn du Zweifel hast, dann lass sie zu, denn Zweifeln ist eines der wichtigsten Dinge im Leben.“

Was für ein Deal

Dies sind transzendentale Aussagen, die meine Beziehung zu dieser unreflektierten Insel für immer verändern werden. Und obendrein haben die Videos des argentinischen Denkers auf Youtube eine brutale Wirkung, sie werden dutzendfach aufgerufen. Ich werde neidisch. Was für ein Deal! Die Kanaren und Murcia haben schon ihre Erfahrungen gemacht.

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