Ding, dong: Das Schuljahr auf Mallorca beginnt

Am Montag müssen rund 170.000 Kinder und Jugendliche auf den vier Inseln wieder ran. Unterricht, Benotung, Sprachwahl, Infrastruktur, Kosten – was sich ändert und was so bleibt wie bislang

Für Schulkinder auf Mallorca beginnt in der neuen Woche wieder der „Ernst des Lebens“ – wobei es in vielen Klassenzimmern weniger ernst als in Deutschland zugeht.

Für Schulkinder auf Mallorca beginnt in der neuen Woche wieder der „Ernst des Lebens“ – wobei es in vielen Klassenzimmern weniger ernst als in Deutschland zugeht. / dpa

Schluss mit ausgedehnten Strandtagen, spätabendlichen Poolpartys und langen Siestas: Am Montag (11.9.) müssen rund 170.000 Schülerinnen und Schüler auf den Balearen wieder spätestens um 9 Uhr antreten. Das neue Schuljahr 2023/24 beginnt, und insgesamt sind 176 Schultage zu überstehen, bevor am 22. Juni die nächsten Sommerferien beginnen. Die Neuerungen zum Schulbeginn in der Übersicht.

Benotung

Die wohl wichtigste Änderung in diesem Jahr: Die gerade erst zum vergangenen curso escolar eingeführte neue Bewertung anhand einer Art Farbampel mit zahlreichen ausformulierten Kriterien ist auf den Balearen zumindest nicht mehr vorgeschrieben. Gleichzeitig werden die Noten von 1 (ungenügend) bis 10 (herausragend) wieder eingeführt. Zusätzlich gibt es zumindest am Ende des Schuljahres eine qualitative Bewertung in schriftlicher Form, wie etwa sobresaliente oder notable.

Das Hin und Her ist einmal mehr dem Regierungswechsel auf den Balearen im Frühjahr geschuldet – von den Sozialisten hin zur konservativen Volkspartei (PP). Der Linkspakt hatte in der vergangenen Legislaturperiode das von der spanischen Zentralregierung verabschiedete Bildungsgesetz LOMLOE umgesetzt und damit die alternative Bewertungsmethode auf den Inseln eingeführt.

Keine 180-Grad-Wende möglich

Ganz abschaffen kann diese die neue Balearen-Regierung nicht. Denn die Bildungsgesetze der Zentralregierung sind in den Regionen verpflichtend einzuhalten. Die Zeugnisse bestanden im Schuljahr 2022/23 aus einer farbigen Tabelle, die den Eltern den allgemeinen Fortschritt ihrer Kinder anzeigte, sowie aus mehreren Seiten, auf denen die Lehrkräfte anhand von Dutzenden Bewertungskriterien in jedem Fach die Fortschritte der Schüler festhielten.

Das System war seit der Einführung zum Schuljahr 2022/23 umstritten und wurde von vielen Lehrern kritisiert. Diese beklagten den bürokratischen Aufwand, der mit dem Ausfüllen der zahlreichen Kriterien für jedes Fach verbunden war. Viele Eltern wiederum beschwerten sich, dass die Berichte umständlich und schwer zu verstehen waren.

Wobei nicht alle Lehrer froh sind, dass sich die Bewertungskriterien schon wieder ändern. „Eine Zahl kann nie die Leistung eines Schülers oder einer Schülerin über ein ganzes Schuljahr hinweg ausdrücken“, sagt die Lehrerin einer Privatschule in Palma. In einer Zeit, in der von der Gesellschaft ein moderneres Schulsystem mit mehr Eigeninitiative der Schüler und mehr Transferleistungen verlangt werde – so wie es die LOMLOE ja fördern sollte –, könne man nicht bei der Bewertung zu einem derart eindimensionalen System zurückkehren.

Sprach- und Schulwahl

In einem weiteren heiklen Punkt in der balearischen Schulpolitik, dem Thema der freien Sprachwahl, ändert sich nun für das kommende Schuljahr zunächst noch nichts. Eigentlich haben PP und Vox vereinbart, sowohl die freie Wahl bei der ersten Unterrichtssprache als auch die freie Wahl bei den Schulen zu garantieren. Darüber hinaus verpflichteten sie sich, bis Ende der Legislaturperiode in „sämtlichen Bildungsetappen“ die freie Wahl einer der beiden Amtssprachen als Unterrichtssprache zu gewährleisten. Wie genau das erreicht werden soll, steht jedoch noch nicht fest. Die Änderungen sollen ab dem Schuljahr 2024/25 greifen.

Kosten für die Eltern

Klar ist, dass der Schulstart für die Eltern auf den Inseln teuer wird. Über die genaue Summe gehen die verschiedenen Berechnungen allerdings weit auseinander. Während das Vergleichsportal Banqmi mit durchschnittlichen Kosten pro Kind von 406,80 Euro kalkuliert, setzt man bei der balearischen Verbraucherschutzvereinigung Consubal sogar rund das Doppelte an.

Im ungünstigsten Fall fielen durchschnittliche Kosten von etwa 1.000 Euro pro Kind an, heißt es bei Consubal. In der Grundschule seien demnach rund 715 Euro fällig. Sollte allerdings ein Chromebook angeschafft werden müssen, kämen mehr als 1.000 Euro zusammen. In der Mittelstufe (7. bis 10. Klasse) sollen es dann schon 887 Euro im Schnitt sein, für die Abiturklassen wird mit 910 Euro noch ein bisschen mehr angesetzt.

Preise um 25 Prozent gestiegen

Consubal spricht davon, dass diese Kosten im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent gestiegen seien. Vor allem Bücher und Schulmaterial seien spürbar teurer geworden. Diese Beträge bringen Haushalte, die ohnehin schon jeden Euro umdrehen müssen, regelmäßig im September an die Grenzen der Belastbarkeit.

Viele Eltern gehen inzwischen dazu über, die Schulbücher nicht neu zu kaufen, sondern bei einem der gängigen Online-Marktplätze wie etwa Wallapop zu erwerben. Das ist aber nur in manchen Fällen möglich, weil viele Bücher darauf ausgelegt sind, dass die Schüler in ihnen schreiben müssen, womit eine zweite oder dritte Verwendung ausscheidet.

Auf den Balearen gibt es immerhin die Möglichkeit, den Kauf von Schulbüchern bei der Einkommensteuererklärung im Jahr darauf abzusetzen. Maximal 220 Euro können sich Eltern pro Kind auf den Inseln wiederholen. Digitale Lehrmittel wie das Chromebook, das mit mehreren Hundert Euro zu Buche schlägt, sind von dieser Regelung allerdings ausgenommen.

Klimatisierung

Die Sommer auf Mallorca werden immer heißer und immer länger. Das bedeutet, dass nicht mehr nur in den zwölf Sommerferienwochen teils unerträgliche Temperaturen herrschen – häufig ist es im Juni bereits oder im September noch hochsommerlich heiß. Und nur die wenigsten Schulen verfügen über Klimaanlagen.

Der balearische Bildungsminister Antoni Vera hat sich nun der Sache angenommen und Ende August erklärt, dass in Kürze ein Pilotprojekt anlaufen soll, um zu ermitteln, wie die Schulen klimatisiert werden könnten. In einem ersten Schritt sollen acht Schulen ausgesucht werden, um dort Studien anzustellen. So soll unter anderem ermittelt werden, mit welchen Kosten zu rechnen ist. Ähnliche Maßnahmen hatte die Politik allerdings bereits in der Vergangenheit angekündigt.

Verhältnis Schüler – Lehrer

Alles gleich bleiben dürfte indes beim Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. Wenn in Deutschland die Schüler ins Klassenzimmer strömen, dann ist der Umgang mit den Lehrern meist von großer Distanz geprägt. Ganz anders auf Mallorca und generell in Spanien. Hier wird die Lehrkraft nicht einmal gesiezt. Und die Deutschlehrerin Ainhoa Goñi vom Colegio Sant Josep Obrer in Palma, die seit 16 Jahren Schüleraustausche mit deutschen Schulen organisiert, sagt sogar: „Diesen Unterschied finden die spanischen Kinder sehr seltsam, sie sind manchmal regelrecht schockiert.“

In Deutschland ist die Lehrkraft nach wie vor eher eine Respektsperson, die sich nicht allzu nahbar gibt. Weshalb auch körperlicher Kontakt zwischen Lehrern und Schülern in Deutschland kaum zu beobachten ist. In Spanien ist es gang und gäbe, dass ein Lehrer ein trauriges oder enttäuschtes Kind mal in den Arm nimmt. „Da gibt es keine offizielle Regelung, was erlaubt ist und was nicht“, sagt Ainhoa. Im Zweifelsfall habe sie aber immer das Gefühl gehabt, dass sie Schülern damit helfe. Der Rektor Markus Heber vom Hans-Carossa-Gymnasium in Landshut sagt dagegen: „Da muss schon eine Notlage vorliegen, um mal einen Arm um ein Kind zu legen, und dann auch nur in der Unterstufe.“

Ganz anders geht es in spanischen Klassenzimmern auch in Sachen Lautstärke zu. Während in Deutschland üblicherweise Ruhe herrscht und mehr oder weniger konzentriert gearbeitet wird, kann es in spanischen aulas auch mal hoch hergehen. Munter wird da durcheinandergerufen, häufig gibt es Teamarbeiten, bei denen die Schüler herumlaufen dürfen. Für die Konzentration weniger förderlich, aber der Spaß am Lernen dürfte mitunter höher sein. Und wer Spaß am Lernen hat, der lernt am besten.

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