Der von verschiedenen Gruppierungen organisierte Gegengipfel zum EU-Ministertreffen auf Mallorca am 30. und 31. Oktober in Palma ist am Freitag (27.10.) mit einer Debatte über die Kreuzfahrtproblematik im Mittelmeerraum eröffnet worden. Unter dem Motto "Menys creuers, més vida" (Weniger Kreuzfahrtschiffe, mehr Leben) bekam bei der Veranstaltung unter anderem die Geographie-Professorin Francesca Savoldi von der TU Delft (Niederlande) die Gelegenheit, aus ihren Forschungen über Städte mit Kreuzfahrttourismus zu berichten.

Savoldi berichtete unter anderem, dass die Seefahrtslobby äußerst mächtig sei und immer mächtiger werde. Sowohl die kommerzielle Schifffahrt als auch die Kreuzfahrtbranche bestehe lediglich aus jeweils vier großen Unternehmenskonglomeraten, die ein Oligopol geschaffen hätten. Diese Unternehmen könnten großen Einfluss auf die Häfen und somit auch auf die Hafenstädte nehmen.

Erhöhte Krebsraten

Darüber hinaus seien die gesundheitlichen Auswirkungen der Kreuzfahrt auf die lokale Bevölkerung nicht zu unterschätzen. Studien in der italienischen Hafenstadt Civitavecchia hätten ergeben, dass die Zahl der Krebserkrankungen in einem Radius von 500 Meter rund um den Hafen deutlich erhöht sei im Vergleich zum Rest der Stadt.

Einer der Sprecher war auch der deutsche Kreuzfahrt-Spezialist des Naturschutzbundes NABU, Christian Kopp, der wie Savoldi zugeschaltet war. Auch er wies vor allem auf die gesundheitliche Belastung durch die Emissionen der großen Pötte hin.

Kreuzfahrttourismus eine der "unnötigsten Aktivitäten"

Die Aktivistin Jane da Mosto von der Organisation We are here Venice hob vor allem auf die sozialen Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus ab. So stünden die Wohnraumproblematik und die prekären Arbeitsverhältnisse in Hafenstädten häufig in direktem Zusammenhang mit dem Kreuzfahrttourismus.

Didac Navarro von Ecologistas en Acción und STOP Creuers Catalunya sprach im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrttourismus von einer der "unnötigsten Aktivitäten im aktuellen Tourismusmodell". Alles, was an Bord eines Kreuzfahrtschiffes passiere, könne genauso gut an Land erlebt werden ohne die entsprechenden Emissionen.

Aktivisten treffen auf Politiker

Im Anschluss gab es eine Debatte zum aktuellen Tourismusmodell, vorgestellt wurde auch ein offener Brief der Organisatoren des Gegengipfels für die EU-Minister, der den Politikern am Montag überreicht werden soll.

Jaume Garau von der Bürgerinitiative Palma XXI erklärte der MZ nach der Debatte, er rechne damit, dass der Brief direkt übergeben werden kann. Man habe signalisiert bekommen, dass es zu einem Aufeinandertreffen der Politiker und der Aktivisten kommen werde. Das Hauptanliegen der Aktivisten in dem Brief ist dabei die Reduzierung der Touristenzahl auf Mallorca. Die Tourismusbranche sei ein "unaufhörlich wachsende Maschine", die im Endeffekt die Bewohner der Tourismusgebiete "marginalisiere".

Das Programm des Gegengipfels. Gob

Das weitere Programm

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Der Gegengipfel läuft noch bis Samstag (28.10.). Geplant waren am Freitagabend Debatten auf der zentralen Plaça de Quadrado, in denen unter anderem noch einmal die Kreuzfahrten, die Flughafen-Erweiterung oder auch die Privatflieger thematisiert werden sollen. Ab 19 Uhr gab es eine Buchvorstellung.

Am Samstag geht es auf der Plaça de Quadrado weiter. Von 10 bis 12 Uhr geht es um den Klimawandel im Zusammenhang mit Tourismus, von 12.30 Uhr bis 14 Uhr werden die prekären Arbeitsbedingungen in der Tourismusbranche erörtert. Danach gibt es ein Mittagessen auf dem Platz. Der Nachmittag von 16 Uhr bis 20 Uhr steht unter dem Motto "La societat turistitzada" (Die touristifizierte Gesellschaft). Es werden unterschiedliche Aspekte, wie etwa die Wohnraumproblematik oder Konflikte mit Anwohnern angesprochen.