Mallorca Zeitung

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Wohnen, Steuern, Einkauf: Was kostet das Leben auf Mallorca?

Wie günstig oder teuer ist Mallorca im Vergleich zu Deutschland? Die Antwort ist gar nicht so einfach. Eine Annäherung mit konkreten Preisen und Beispielen aus dem Alltag

Das Leben auf Mallorca kann ganz schön teuer sein. MZ

Der Wunsch, nach Mallorca auszuwandern, ist bei vielen Menschen groß, wirft aber auch Fragen auf. Eines der Bedenken ist, ob man sich den Schritt auf die Insel leisten kann. Viele Auswanderer unterschätzen die Lebenshaltungskosten in Spanien. Da zudem praktisch jeder andere Ansprüche hat, ist es nicht einfach, die Preisfrage zu beantworten.

Das Rathaus Palma führte im Januar 2023 eine Studie aus und kam zu dem Ergebnis, dass ein Erwachsener ohne Kind 1.421,60 Euro pro Monat für ein würdiges Leben in der Stadt braucht. Das Sozialdezernat der Stadt berücksichtigte dabei Kosten für Lebensmittel, Hygieneartikel, Miete, Nebenkosten, Transport, persönliche Ausgaben und Freizeit, Kleidung, Bildung und Erziehung sowie außerplanmäßige Ausgaben. Allein 40 Prozent des Geldes gingen für die Miete oder Hypothek drauf. Weitere zwölf Prozent für Nebenkosten wie Strom, Wasser, Gas und Internet. Der benötigte Betrag liegt übrigens deutlich über dem spanischen Mindestlohn (derzeit 1.080 Euro bei 14 Monatsgehältern). Laut der Studie benötigt ein kinderloses Paar 1.971 Euro. Ähnlich viel kostet das Leben als alleinerziehender Erwachsener eines Kindes (1.943 Euro). Ein Paar mit Kind brauche 2.532 Euro pro Monat.

Nun lässt sich über den Begriff „würdig leben“ streiten. Allein die vom Rathaus veranschlagten 40 Prozent für die Miete (569 Euro) reichen auf dem angespannten Wohnungsmarkt allenfalls für ein besseres WG-Zimmer.

Was kostet die Miete auf Mallorca?

Laut dem Immobilienportal Idealista lag der Quadratmeterpreis bei den Mieten im November 2023 auf den Balearen bei im Schnitt 16 Euro. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung wären das 1.600 Euro. Auf Mallorca ist Calvià die teuerste Gemeinde mit 19,20 Euro pro Quadratmeter. Günstiger ist Santanyí bei 12,30 Euro pro Quadratmeter. In Palma sind es 15,10 Euro, wobei es hier starke Schwankungen je nach Ausstattung und Stadtviertel gibt. Eine sanierte Wohnung in der Altstadt oder mit Meerblick kostet wesentlich mehr als ein Apartment in einem „normalen“ Stadtviertel.

Die Wohnungssuche ist laut der Cáritas vor allem für Ausländer schwer Foto: Nele Bendgens

Nun braucht nicht jeder 100 Quadratmeter. Je nach Zahl der Familienmitglieder reichen unter Umständen auch 60 Quadratmeter. Selbst wenn man diesen Wert und den Mindestdurchschnittspreis von Santanyí nimmt, liegen die Kosten (738 Euro) weit über der Rechnung des Rathauses Palma. Auch der MZ-Test dieses Jahr ergab: In Palma gibt es quasi unter 800 Euro keine Ein-Raum-Wohnung. Für eine Zwei-Raum-Wohnung ist man unter 950 Euro fast chancenlos. Die Preise für WG-Zimmer gehen in der Regel ab 400 Euro los.

Beim Einzug müssen üblicherweise ein bis zwei Monatsmieten für die Kaution gezahlt werden. Manch ein Vermieter versucht zudem, dem Mieter die Maklergebühren anzudrehen, die laut Gesetz der Vermieter zahlen muss.

Wer langfristig auf der Insel bleiben will, kann auch über einen Kauf nachdenken. Der Durchschnittspreis ist laut Idealista derzeit jedoch auf einem Rekordhoch von etwa 4.000 Euro pro Quadratmeter. Zudem sind die Hypotheken weiterhin sehr teuer.

Nebenkosten: Strom, Gas, Wasser, Internet

Der Energiekonzern Redeia kalkuliert, dass ein spanischer Haushalt im Durchschnitt 270 Kilowattstunden im Monat verbraucht. Beim normalen Tarif des Branchenführers Endesa wären das 97,20 Euro im Monat, wenn der Strom zu gleichen Teilen im günstigen und teuren Zeitraum genutzt wird.

Der Stromtarif ist wie in Deutschland frei wählbar. Prinzipiell stehen zwei Modelle zur Wahl: Auf dem regulierten Markt schwankt der Preis stündlich je nach Situation auf dem Großhandelsmarkt. In diesem Jahr lag der monatliche Durchschnittspreis für die Kilowattstunde zwischen 10 und 20 Cent.

Die Stromkosten sind immer schwieriger zu kontrollieren. MZ

Auf dem freien Markt bieten die Energiekonzerne unterschiedliche Tarife an. Bei Endesa kostet die Kilowattstunde derzeit 12 Cent. Manche Tarife sehen einen Festpreis vor. Das ist aber nur für Vielverbraucher ratsam. Zum Stromverbrauch kommen die Kosten für die Stromleistung, die bestimmt, was die Sicherungen aushalten. Bei Endesa sind das gut 36 Cent pro Kilowattstunde montags bis freitags von 8 bis 0 Uhr, außerhalb dieser Zeiten 12 Cent.

Im Vergleich zu Deutschland liegen die Stromkosten niedriger. Zu bedenken ist aber, dass die Wohnstandards auf Mallorca wesentlich niedriger sind. Alte Fenster und fehlende Dämmung sorgen für hohe Zimmertemperaturen im Sommer und niedrige Werte im Winter. Wenngleich nicht so viel wie in der Heimat, muss auf der Insel meist für knapp vier Monate die Heizung angeworfen werden.

Viele Wohnungen auf Mallorca haben einen Gasanschluss, der entweder für den Durchlauferhitzer und warmes Wasser oder zum Kochen benutzt wird. Viele Energiekonzerne bieten Gas im Paket mit dem Strom an. Naturgy berechnet beispielsweise 9 Cent die Kilowattstunde Gas plus einen Festpreis in Höhe von 5,13 Euro pro Monat.

Das Wasser ist im Vergleich zu Deutschland extrem billig. Je nach Verbrauch liegen die Kosten bei 25 bis 50 Euro pro Monat in Palma. Draufgeschlagen werden auf die Rechnung Kosten für die Abwasserentsorgung und eine Müllgebühr. Unter bit.ly/Wasser-Palma gibt es einen Preisrechner für Palma. Der durchschnittliche Wasserverbrauch der Mallorquiner beträgt etwa 120 Liter pro Kopf und Tag. Bei 4.000 Litern im Monat spuckt der Rechner 44,72 Euro aus. Die Rechnungen für Strom, Gas und Wasser kommen in der Regel alle zwei Monate.

Das WLAN gibt es bei den meisten Anbietern eigentlich nur im Verbund mit einer SIM-Karte für das Handy. Die meisten Tarife kosten zwischen 30 und 40 Euro pro Monat.

Welche Steuern und Gebühren müssen auf Mallorca gezahlt werden?

Mit der Einkommensteuer sinkt das Monatsgehalt schnell, der Arbeitgeber behält einen Anteil ein. Von April bis Juni muss die Steuererklärung für das Vorjahr eingereicht werden. Im Vergleich zu Deutschland lassen sich nur wenige Ausgaben von der Steuer absetzen.

Selbstständige müssen ihr Einkommen schätzen und auf dieser Basis Steuern zahlen. Über das Jahr verteilt gibt es mehrere Steuererklärungen, mit denen die Abweichungen ausgeglichen werden. Wer sich neu als Selbstständiger anmeldet, zahlt bis zu zwei Jahre lang einen Mindesttarif – die tarifa plana in Höhe von 80 Euro pro Monat –, der den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern soll.

Immobilieneigentümer entrichten eine zweite Müllgebühr für residuos sólidos urbanos (RSU). Diese beträgt derzeit im Jahr 114,96 Euro. Der Betrag kann über den cartero virtual (sede.atib.es) überwiesen werden, wo sich auch einstellen lässt, dass das Geld vom Konto eingezogen wird.

Viele Steuern lassen sich einfach online bezahlen. Foto: Pixabay

Am gleichen Ort wird die Kfz-Steuer (IVTM) gezahlt. Die Höhe der Abgabe richtet sich nach dem sogenannten Cheval fiscal (CV), der nach Motorleistung und Emissionen berechnet wird. Ein Kleinwagen kostet in Palma jährlich 68,16 Euro. Wer eine Garage besitzt, deren Zufahrt über den Bürgersteig geht, zahlt je nach Anzahl der Stellplätze Steuern.

Die Grundsteuer (IBI) wird zwischen September und November fällig. Die Höhe richtet sich nach dem Katasterwert der Immobilie (als Faustregel sind 30 bis 50 Prozent des realen Werts zu kalkulieren). Davon fordern die Gemeinden zwischen 0,4 und 1,1 Prozent bei erschlossenen Grundstücken, zwischen 0,3 und 0,9 Prozent bei unerschlossenen Grundstücken.

Welche Versicherungen braucht man auf Mallorca?

Für die gesetzliche Krankenversicherung zahlen Arbeitnehmer in Spanien fünf Prozent des Gehaltes ein. Damit sind die Behandlungen in den öffentlichen Gesundheitszentren und im Krankenhaus kostenlos. Um lange Wartezeiten zu umgehen, sind laut Ärztekammer ein Drittel der Balearen-Bewohner zusätzlich privat versichert. Das ist deutlich günstiger als in Deutschland, wobei die Leistungen geringer sind. Basispakete gibt es für etwa 40 Euro im Monat. Ein heikles Thema ist der Zahnarzt. Er ist bis auf die Grundversorgung bei Kindern weder in der gesetzlichen noch in den einfachen Privatversicherungen enthalten. Der Komplettschutz für die Zähne kostet rund 130 Euro im Monat.

Alles abgedeckt: Versicherungen auf Mallorca. Bendgens

Die Hausratversicherung ist von der Deckungssumme abhängig. Wer diese niedrig ansetzt, zahlt gut 100 Euro im Jahr. Obendrein gibt es die Privathaftpflicht für Familie und Tiere – eine Versicherung für Hunde ist neuerdings gesetzlich vorgeschrieben.

Die Mindest-Autoversicherung beträgt für einen Kleinwagen etwa 230 Euro im Jahr. Der Preis ist vom Autotyp, dem Alter des Fahrers, der unfallfreien Zeit und der Fahrerfahrung abhängig. Wie in Deutschland gibt es für einen Aufpreis eine Voll- oder Teilkasko.

Einkaufen auf Mallorca: Das kosten Lebensmittel und Haushalt

Der Einkauf im Supermarkt kostet in Spanien pro Person laut Statistik 6.109 Euro im Jahr. Das macht 16,74 Euro pro Tag. Die Rechnung geht auf Daten der spanischen Verbraucherschutzbehörde OCU zurück. Um die Preise vergleichen zu können, erstellen die Statistiker vier verschiedene Einkaufskörbe. In jedem sind sowohl Nahrungsmittel als auch Produkte zur Reinigung und Körperpflege enthalten. Drei der Körbe beinhalten hauptsächlich jeweils Markenprodukte, frische Produkte oder billige Waren. Der vierte Korb – die Cesta OCU – ist ein Mix aus allen dreien, der dem Alltagseinkauf eines Spaniers am nächsten kommen soll.

Einkaufen auf Mallorca ist teuer. FABIAN SOMMER/DPA

Der obige Preis ist der Durchschnittswert für die Cesta OCU in den unterschiedlichen Supermärkten in Spanien. Die Balearen schneiden bei den Vergleichen wegen der Insellage meist als eine der teuersten Regionen des Landes ab. Durch die Inflation sind die Preise zudem stark gestiegen. 2022 kostete die Cesta OCU noch 5.568 Euro. Beim Preis-Test schneidet meist der Supermarkt Alcampo auf Mallorca am besten ab.

Fortbewegung: Nahverkehr bleibt auf Mallorca kostenlos

Der öffentliche Nahverkehr ist für Anwohner auf Mallorca auch 2024 kostenlos – die Überlandbusse (TIB) und die Züge auf jeden Fall das ganze Jahr, Palmas Stadtbusse EMT, solange das Geld reicht – voraussichtlich bis Juni. Selbst wer nur sporadisch Bus fährt, sollte sich für die Kostenfreiheit die Mehrfahrtenkarten besorgen. Beide sind kostenlos.

Hochmoderne Flotte: TIB-Busse auf einem Stellplatz Imagen de la flota de autobuses interurbanos.

Wer sich nur in Palma fortbewegt, braucht eigentlich kein Auto. Die Wege sind kurz. Neben den Bussen kann man sich über BiciPalma bei Bedarf etwa ein Elektrofahrrad leihen. Das kostet 24 Euro im Jahr. Die Ausleihpunkte sind in der ganzen Stadt verteilt. Die Leihe ist in den ersten 30 Minuten jeweils kostenlos. Beliebt sind auf Mallorca zudem Elektroroller. Für die E-Flitzer ist derzeit noch keine Versicherung notwendig. Neben der Anschaffung fallen nur Kosten für den Strom an.

Wenn es doch ein Auto sein muss, sind mehrere Dinge zu bedenken. Vielerorts gibt es wenige Parkplätze. Ein Anwohnerparkausweis in Palma kostet derzeit 24 Euro im Jahr. Eine Stellfläche ist damit aber nicht garantiert. Beim Einparken kommt es oft vor, dass der Vorder- oder Hinterparker angerempelt wird. Wer ein teures Auto fährt, denkt folglich über eine Garage nach. Der TÜV (ITV) muss alle zwei Jahre erneuert werden (bei Autos, die zehn Jahre alt sind, jährlich). Die Prüfung eines Benziners kostet 34,46 Euro. Den Liter Super gibt es derzeit an den Tankstellen für 1,49 bis 1,65 Euro.

Sport

Die Vereinsstruktur auf Mallorca ist sehr professionell. Angesichts des Platzmangels gibt es keine wirkliche Kreisklasse. Daher ist es gar nicht so einfach, einen Platz zu ergattern. Der Mitgliedsbeitrag ist im Vergleich zu Deutschland extrem hoch. 300 bis 700 Euro müssen je nach Sportart kalkuliert werden. Meist ist dort die Vereinskleidung inbegriffen.

Fitnessstudios finden sich in Palma an jeder Ecke, auch die meisten Dörfer haben eines. Das günstigste Angebot in Palma ist die städtische Einrichtung IME mit 136 Euro im Jahr. Ansonsten liegen die Preise meist zwischen 30 bis 50 Euro im Monat.

Ausgehen

Die Kosten für den Restaurantbesuch sind vom Lokal abhängig. Ohne allzu hohe Ansprüche kommt man mit 20 Euro für einen erwachsenen Gast hin. Tagsüber bieten viele Bars ein günstiges Mittagsmenü an. Die Preise liegen meist bei 10 bis 15 Euro, Getränke inklusive.

Besucher des Mallorca Live Festivals 2023. G. Bosch

Die Preise fürs Ins-Kino-Gehen bewegen sich zwischen 5 und 10 Euro. Mittwochs ist Kinotag und der Eintritt günstiger.

Die Eintrittspreise für Konzerte, Musical- oder Theateraufführungen beginnen meist bei 20 Euro und übersteigen selten die 50 Euro. Museen oder Ausstellungen können für wenig Geld (ab 6 Euro) oder kostenlos besucht werden. Ein Blick auf die jeweiligen Websites verrät, an welchen Tagen der Eintritt frei ist.

Palmas Partymeile ist der Paseo Marítimo. Dort ist der Eintritt meist frei. Das Gleiche gilt für die Diskotheken an der Playa de Palma.

In Sachen Sport ist Real Mallorca der größte Zuschauermagnet. Die Tageskarten kosten je nach Gegner und Kategorie zwischen 30 und 250 Euro. Günstig sind im Vergleich dazu die Dauerkarten für zwischen 260 und 855 Euro.

Kleidung

Das Angebot auf Mallorca reicht vom Discounter zum Luxusladen. Wer einfach nur günstig ein paar Klamotten sucht und die Qualität mitunter vernachlässigt, wird in den großen Ketten fündig. Die Preise unterscheiden sich nicht von denen in Deutschland.

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