Der balearische Bildungsminister Antoni Vera (konservative Volkspartei PP) hat am Donnerstag (8.2.) vor der Bildungskommission im Parlament auf Mallorca seinen Plan zur freien Sprachwahl an den Schulen vorgestellt und dabei aus Sicht der Lehrkräfte und der Opposition zu wenige Details bekanntgegeben. Schon die Pläne an sich stoßen bei den Lehrern und den linken Parteien auf frontale Ablehnung. Vor allem Veras Vergleich der Behandlung des Katalanischen und des Spanischen mit dem Fremdsprachenunterricht sorgte für Empörung bei den Kritikern.

Vera verglich die Aufspaltung der Klassen in eine Gruppe, die auf Katalanisch unterrichtet wird und eine Gruppe, in der der Unterricht auf Spanisch stattfindet, mit der Aufteilung der Klassen beispielsweise für den Englisch-, Deutsch- oder Französisch-Unterricht.

"Warum nennt man es Aufspaltung, wenn Familien wählen, dass ihre Kinder den Mathematik-Unterricht auf Englisch haben, aber wenn die Wahl zwischen Katalanisch und Spanisch ist, nennt man es Ausgrenzung?", gab Vera an die Kritiker zurück.

Einführung zunächst in Kindergarten und Grundschule

Zu den Details erklärte der Minister, dass die Eltern der Kinder, die im kommenden Schuljahr in den Bildungsweg einsteigen (also im Normalfall zwischen 3 und 6 Jahren), die Unterrichtssprache wählen können sollen. Bisher ist noch nicht klar, in welchem Moment die Eltern die Auswahl treffen müssen.

In der Grundschule soll die freie Sprachwahl zwischen der 4. und 6. Klasse in Mathematik und Heimat- und Sachkunde möglich sein. Ab dem Schuljahr 2025/26 sollen die Eltern für ihre Kinder dann ab der 7. Klasse zwischen Spanisch und Katalanisch in den Fächern Mathematik sowie Geografie und Geschichte sowie in einem der naturwissenschaftlichen Fächer, also Biologie, Technologie oder Physik und Chemie wählen können. Alles unter dem Vorbehalt, dass die Schule sich auch tatsächlich dem Projekt der freien Sprachwahl anschließt, das, wie Vera nicht müde wurde zu betonen, freiwillig sein werde.

50 Prozent Katalanisch bleiben ohnehin bestehen

In den öffentlichen Schulen sollen die Lehrer selbst entscheiden können, ob sie die freie Sprachwahl anbieten wollen, in den halbstaatlichen Schulen wird es der Träger sein (im Normalfall ein kirchlicher). Keine Schule, die nicht wolle, müsse sich dem Projekt anschließen, stellte Vera klar. Und es gebe auch keine Repressalien zu befürchten, sollten sich die Schulen dagegen entscheiden. Des Weiteren würden alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt, wie etwa das Decret de Mínims, das einen Katalanisch-Anteil von mindestens 50 Prozent an den Schulen auf den Balearen vorschreibt.

Trotz aller Beteuerungen der Freiwilligkeit und dass sich ohnehin kaum etwas ändern werde, ist die Bildungslandschaft in weiten Teilen aufgebracht. Zu Veras Erklärungen im Parlament waren zahlreiche Lehrer in den grünen T-Shirts erschienen, mit denen sie bereits im Jahr 2014 gegen ein vom früheren Ministerpräsidenten José Ramón Bauzá (ebenfalls konservative Volkspartei PP) geplantes Drei-Sprachen-Modell an den Schulen auf die Straße gingen.

Einige Lehrer waren ins Parlament gekommen, um in einem Nebenraum die Erklärungen des Ministers zu verfolgen. Guillem Bosch

Die kritischen Lehrkräfte bündeln wieder ihre Kräfte

Und auch die Opposition schoss scharf gegen Minister Vera, der sich vor Monaten gezwungen gesehen hatte, den Sprachenkompromiss mit der rechtsextremen Partei Vox auszuhandeln, die der PP im Parlament zur Mehrheit verhilft. Vox fährt eine strikte Anti-Katalanisch-Politik und ließ in der Frage der freien Sprachwahl an den Schulen kaum mit sich reden. Die PP musste Vox 20 Millionen Euro zusichern, um Schulen zu unterstützen, die die freie Sprachwahl einführen wollen. Das Geld sollen in zusätzliche Lehrkräfte oder Räumlichkeiten investiert werden.

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Diese Finanzspritze kritisierten Dutzende Lehrkräfte bei einem Treffen am Abend in einer Schule in Inca. Dort fand die sogenannte Assemblea de Docents, eine Versammlung von Lehrkräften, die das Katalanische an den Schulen unterstützen, zusammen. Acht Jahre nach ihrer Auflösung wurde die Assemblea wieder aufgenommen, um gegen das Modell der freien Sprachwahl zu protestieren.

Der Tenor: Seit Jahren sei angeblich kein Geld da, um Lehrermangel an den Schulen oder Neubauten zu finanzieren, doch plötzlich gebe es Millionen für ein "ideologisch motiviertes" Thema. "Das schafft einen enormen Konflikt in der Bildungslandschaft", sagte die Sprecherin der Assemblea, Marina Vergés.